Käßmann verlässt Zentralausschuss des Weltkirchenrates

Hannover (AP) Landesbischöfin Margot Käßmann hat den Zentralausschuss des Weltkirchenrates aus Protest verlassen. Die Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gab ihren Sitz als Delegierte im Zentralausschuss nach knapp 20 Jahren «mit Trauer im Herzen und Zorn im Kopf» zurück, wie

Sprecherin Gabriele Arndt-Sandrock am Mittwoch in Hannover sagte. Käßmann begründete ihren Schritt vor allem mit dem am Vortag vom Zentralausschuss beschlossenen künftigen Verzicht auf ökumenische Gottesdienste.

Der Ökumenische Rat der Kirchen - der Weltkirchenrat - ist ein Zusammenschluss von 342 Kirchen in mehr als 120 Ländern, der 1948 in Amsterdam gegründet wurde. Nach einem Beschluss sollen künftig statt ökumenischer Gottesdienste nur noch «konfessionelle» und «interkonfessionelle» Andachten abgehalten werden. «Interkonfessionelle» Andachten sollen aus den «Quellen» unterschiedlicher Traditionen schöpfen, aber den Eindruck der Feier einer «Über-Kirche» vermeiden. Mit dem Beschluss soll Rücksicht auf Befürchtungen orthodoxer Mitgliedskirchen genommen werden, der Begriff «Gottesdienst» könne im Sinne gemeinsamer Abendmahlsfeiern missverstanden werden.

«Für mich persönlich waren in den vergangenen 20 Jahren die ökumenischen Gottesdienste das Herzstück des Ökumenischen Rates. Hier wurde die Einheit in der Vielfalt erlebbar», erklärte die Käßmann. Die EKD-Delegierten im Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen bedauerten den Schritt der Landesbischöfin. «Wir werden bei unserer Weiterarbeit das Engagement von Margot Käßmann sehr vermissen», heißt es in einer Erklärung der anderen sechs Delegierten der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Mittwoch 4. September 2002

Quelle: http://de.news.yahoo.com/020904/12/2xy2q.html