Landesbischöfin Käßmann: Alle Getauften zum Abendmahl zulassen


Potshausen /Kr. Leer (epd). Nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin
Margot Käßmann gibt es keinen Grund, einen getauften Menschen vom Abendmahl
auszuschließen. Sie bedauere, dass ausgerechnet bei dieser
gemeinschaftsspendenden Feier die Spaltung der Kirchen so deutlich werde.
Der ökumenische Kirchentag in Berlin habe gezeigt, dass das Kirchenvolk die
Spaltung nicht mehr versteht, sagte die evangelische Theologin am Mittwoch
vor Journalisten in Potshausen. Hier besuchte sie den ostfriesischen
Generalkonvent, die Versammlung aller lutherischen Pastorinnen und Pastoren.

Von evangelischer Seite lägen alle Argumente für ein gemeinsames Mahl
zwischen Protestanten und Katholiken auf dem Tisch, so die Bischöfin. "Land
auf Land ab wird das gemeinsame Abendmahl in vielen Gemeinden schon
praktiziert." Der eigentliche Stolperstein für die Ökumene sei der Papst. In
Berlin sei deutlich geworden, dass sich vor allem die katholische Basis für
die Ökumene und das gemeinsame Abendmahl engagiert.

Die ostfriesische Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein (Aurich)
wirbt derweil bei ihren Lutheranern für das Abendmahl. In vielen
Kirchengemeinden wirke noch der Missbrauch des Abendmahls als Mittel der
Kirchenzucht nach. Im 17. Jahrhundert prägten reformierte Pietisten aus den
Niederlanden ein Bewusstsein, dass nur derjenige, der schon frei von Sünden
ist, würdig genug für das Abendmahl sei. Damit aber werde der Sinn der Feier
auf dem Kopf gestellt.

Die Folgen seien bis heute zu spüren, sagte Holze-Stäblein: In einigen
Kirchengemeinden werde nur zweimal im Jahr das Abendmahl gefeiert, statt wie
empfohlen mindestens einmal im Monat. Darum werbe sie bei Besuchen in den
Gemeinden immer für das Abendmahl, das für sie ein zentraler Punkt ihrer
Frömmigkeit sei. (b1669/04.06.03)
5.6.03

Quelle: http://www.evlka.de/news/news.php3?id=1136