Ökumene - Bischof Friedrich dämpft Hoffnungen auf baldiges gemeinsames Abendmahl

Bamberg (epd), 21.10.2002. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat um Vertrauen in die Ökumene mit der katholischen Kirche geworben. Vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen arbeiteten die beiden großen Kirchen in der Bundesrepublik erfolgreich zusammen, sagte er am Montag auf der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch- Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Bamberg. Das in Jahren gewachsene sehr gute Verhältnis zwischen Lutheranern und Katholiken in Deutschland werde auch durch gelegentliche Rückschläge nicht gestört, fügte er vor Journalisten hinzu. Die Gespräche seien von gegenseitiger Achtung und Vertrauen geprägt, so Friedrich, der als "Catholica-Beauftragter" in der VELKD für die Beziehungen zur katholischen Kirche zuständig ist.

Der lutherische Theologe beklagte vor der Synode jedoch, dass es in der Frage der Zulassung von Protestanten zur katholischen Eucharistie und bei ökumenischen Sonntagsgottesdiensten weiterhin "keine wirklichen Fortschritte" gebe. Mit dogmatischen Klarstellungen könne man auf Dauer nicht Existenzfragen von Menschen beantworten. Hier werde auch eine missionarische Chance verpasst. Friedrich dämpfte Erwartungen an ein gemeinsames Abendmahl beim ersten Ökumenischen Kirchentag vom 28. Mai bis 1. Juni in Berlin. "Die so genannte Basis darf nicht erzwingen wollen, worüber noch kein Konsens gefunden ist", sagte er.

Beide großen Kirchen sind nach Friedrichs Worten derzeit auch bemüht, ihr Profil zu schärfen. Vor diesem Hintergrund sei etwa die Stellungnahme "Kirchengemeinschaft nach evangelischem Verständnis" zu sehen, die auf katholischer Seite Irritationen ausgelöst habe. Umgekehrt habe die Heiligsprechung des Opus-Dei-Gründers Josemaria Escrivá de Balaguer unter Protestanten Befremden hervorgerufen. Als gemeinsame Aufgabe der beiden Kirchen nannte der bayerische Landesbischof unter anderem den Einsatz für den Erhalt des Religionsunterrichts. In mehreren Bundesländern gebe es Tendenzen, die Bedingungen für die Kirchen zu erschweren: "Hier müssen wir unmissverständlich den Verfassungsauftrag in Erinnerung bringen und gegebenenfalls auch einklagen." (09580/21.10.02)

22.10.02

Quelle: http://www.epd.de/598_2308.htm