Vatikan-Botschafter gegen Kopftuch-Verbot

Berlin (AP) Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erwin Josef Ender, ist gegen ein Verbot des muslimischen Kopftuches im öffentlichen Dienst. Laut Berliner «Tageszeitung» (Montagausgabe) sagte der Botschafter des Vatikans, wer Kreuz und Ordenstracht dulde, dürfe das Kopftuch nicht verbieten. Für ein Verbot des Kopftuchs bei Beamtinnen im Dienst hatte sich am Freitag die hannoversche evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann ausgesprochen, weil das Kopftuch oft für politische Zwecke missbraucht werde.

Erzbischof Ender plädierte laut «taz» für eine Beruhigung der Diskussion. Man solle vielleicht nicht so viel Aufhebens um ein Kleidungsstück machen.

Am 7. Januar hatte bereits das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Besorgnis wegen der Kopftuchdebatte ausgedrückt. Das Problem dürfe nicht mit einem generellen Ausschluss religiöser Symbole aus dem öffentlichen Dienst gelöst werden, hieß es damals. Allerdings gehe es beim Kopftuchstreit nicht um Religion, sondern um die Gleichberechtigung der Frau.

Der Sprecher des Berliner Innensenators Ehrhart Körting (SPD) hat den Vorstoß von Margot Käßmann begrüßt. Sprecher Peter Fleischmann sagte laut Zeitung «B.Z.»: «Aus unserer Sicht ist das eine sympathische Position und wäre für Berlin eine vernünftige Lösung.» Wegen der Koalition mit der PDS müsse man aber eigene Wege gehen. «Einer Sekretärin oder einer Schreibkraft wird der Staat nicht das Tragen des Kopftuchs verbieten können. Bei Polizei, Justiz, Staatsanwaltschaft, Schule, überall dort, wo der Staat massiv auf den Bürger einwirkt, wird es ein Kopftuchverbot geben.»

Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) verteidigte laut «Bild»-Zeitung das Kopftuchverbot für Lehrerinnen mit der Erklärung, Eltern und Schüler müssten sich darauf verlassen können, dass die Lehrkräfte mit voller Überzeugung hinter den Prinzipien der Menschenwürde und Gleichberechtigung stünden und die demokratischen Grundsätze verträten. Der Innenexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, sagte der Zeitung zufolge, es sei schade, dass Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Kritik am Kopftuchverbot «gegen Ende seiner Amtszeit ein solches gesellschaftspolitisches Signal setzt».

Sonntag 25. Januar

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040125/12/3us99.html