Zu der am Dienstag, dem 15. November 2005
in Regensburg bekannt gegebenen "Neuordnung des Laienapostolates"
erklärt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof.
Dr. Hans Joachim Meyer:
Mit der gestern bekannt gegebenen "Neuordnung des
Laienapostolats im Bistum Regensburg" setzt Bischof Müller seinen
Konfrontationskurs fort und stellt sich offen gegen die Ergebnisse der
Gemeinsamen Synode der Bistümer in Deutschland (1972-1975) in Würzburg.
Faktisch handelt es sich um die Abschaffung des Diözesanrates als
eigenständigem Zusammenschluss gewählter Vertreter der Räte und Organisationen
katholischer Laien. Diözesanräte sind bewährte, rechtlich gesicherte Institute
des Laienapostolats, die auf der kanonisch anerkannten Koalitionsfreiheit der
katholischen Laien und dem ihnen garantierten Recht der freien Meinungsäußerung
in politischen und kirchlichen Angelegenheiten basieren. Weder ein in seiner
Zusammensetzung vom Bischof berufener, nicht gewählter Diözesanpastoralrat, der
nur beratenden Charakter hat, noch das Diözesankomitee, das sich aus vom
Bischof festgelegten katholischen Verbänden und geistlichen Gemeinschaften
zusammensetzt, stellen einen adäquaten Ersatz für einen Diözesanrat dar. Die
diözesanen Räte in den deutschen Diözesen, die landauf landab von ihren
Bischöfen geschätzt werden, sind ein unverzichtbares Instrument einer aktiven
und kreativen Präsenz der Kirche in der Gesellschaft.
Die ohne triftige Gründe und ohne Anhörung der betroffenen
Gremien vorgenommene Neuordnung stellt eine nicht hinnehmbare Rechtsverletzung
dar. Die in den vorgelegten Mustersatzungen enthaltenen Bestimmungen zeugen von
einem Amtsverständnis des Bischofs, mit dem er sich über Konzils- und
Synodenbeschlüsse, universal- und teilkirchliche Rechtsnormen sowie über
verbindliche Regelungen seiner Vorgänger und Amtsbrüder hinwegsetzt. Die
unverzichtbare und strukturell gesicherte Zusammenarbeit von Klerikern,
Ordensleuten und Laien wird faktisch zerschlagen. Dass dies 40 Jahre nach dem
Zweiten Vatikanischen Konzil und 30 Jahre nach der Gemeinsamen der Synode der
Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland geschieht, ist kirchengeschichtlich
und pastoral in Deutschland ohne Beispiel.
«Schwere Belastung für eine vertrauensvolle
Zusammenarbeit im Bistum»
München (ddp-bay). Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern hat den
Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller für seine «Neuordnung» des
Laienapostolats in der Diözese scharf kritisiert. Der Landeskomitee-Vorsitzende
Helmut Mangold bezeichnete die Veränderungen am Donnerstag in München als «eine
schwere Belastung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bischof, Priester
und Laien» im Bistum Regensburg. Darüber hinaus beeinträchtige der «Alleingang»
des Bischofs «die gemeinsame Wirksamkeit des Laienapostolats und damit
letztlich auch der gesamten katholischen Kirche in Bayern».
Mangold kritisierte die Abschaffung des obersten Laiengremiums im
Bistum, des Diözesanrats, als «radikale Abkehr» von den in Deutschland
geltenden gemeinsamen Strukturen und Arbeitsgrundlagen der Katholikenräte in
allen anderen Diözesen. Bischof Müller habe entgegen der bewährten Praxis die
durch demokratische Wahlen legitimierten Mitglieder der bisherigen Gremien bei
den einschneidenden Veränderungen überhaupt nicht einbezogen.
Mit der Abschaffung der Dekanatsräte werde die Brücke zwischen der
Pfarrei- und Diözesanebene abgebrochen. Zudem würden die Kompetenzen der
Pfarrgemeinderäte gravierend eingeschränkt. Er warf dem Bischof vor,
«entscheidende Aufgabenfelder der Laien im Weltdienst» zu unterdrücken. Papst
Benedikt XVI. habe dagegen erst am vergangenen Sonntag ausdrücklich die
eigenständige Kompetenz der Laien in Arbeit in Arbeit, Familie und Gesellschaft
hervorgehoben.
Am Mittwoch hatte bereits das Zentralkomitee der deutschen Katholiken
(ZdK) dem Bischof einen Konfrontationskurs und eine «nicht hinnehmbare
Rechtsverletzung» vorgeworfen. Dies sei kirchengeschichtlich in Deutschland
ohne Beispiel.
(ddp)
17. November 2005
Quelle: http://de.news.yahoo.com/051117/336/4rpnh.html