Neue Verbote aus Rom

 

Vatikan will Tänze in Kirchen verbieten

Rom (Der Tagesspiegel, 24.09.2003). Der Vatikan will "Fehlentwicklungen" und
liturgische Experimente in katholischen Gottesdiensten einschränken.
Einzelheiten eines Entwurfs für eine verbindliche Vatikan-Richtlinie hat
jetzt das italienische katholische Monatsmagazin "Jesus" bekannt gemacht.
Das Papier sieht danach unter anderem vor, dass die Gläubigen die Pfarrer
beim zuständigen Bischof "anzeigen" können, wenn diese bei der Gestaltung
der Gottesdienste von den gültigen Normen abweichen. Unter anderem sollten
Klatschen nach der Predigt und sonstige Beifallsbekundungen in der Messfeier
ebenso unterbleiben wie Tänze im Rahmen der Liturgie.

Gerade dieser Punkt erstaunt, weil bei den Messen des Papstes in Italien und
auf seinen Reisen Tänze und Applaus schon seit Jahren zu den Gottesdiensten
dazugehören. Auch in sehr vielen nichteuropäischen Kirchen ist der Tanz ein
selbstverständlicher Bestandteil bei Meßfeiern. Dennoch will das neue
Dokument solche Ausdrucksformen religiöser Freude künftig untersagen. Auch
Messdienerinnen soll es bald nicht mehr geben, es sei denn, der Ortsbischof
gestattet dies ausdrücklich. Kein Priester müsse sich gezwungen fühlen,
weibliche Messdiener zuzulassen, heißt es in dem Text.

Der vatikanische Entwurf mit dem Titel "Pfand der Erlösung" wurde von der
Glaubenskongregation sowie von der Kongregation für den Heiligen Kult
erarbeitet. Er listet insgesamt 37 liturgische Vergehen auf, die in der
Kirche während der Gottesdienste nicht mehr geduldet werden sollen. Ein
Kernpunkt des Dokuments betrifft die Arbeit der Gemeindeassistentinnen. Es
bestehe, heißt es in dem Schreiben, aus kirchlicher Sicht keinerlei Bedarf
an solchen Helferinnen. Das gelte auch dann, wenn es in den Gemeinden an
Geistlichen oder an Diakonen mangele. Pastoralhelfer und -helferinnen sollen
nach dem Willen des Vatikan künftig nicht mehr predigen oder die Kommunion
austeilen dürfen. In einem weiteren Kapitel kommt das Dokument auch auf den
Chorraum zu sprechen. Er soll, wenn möglich, mit entsprechenden Brüstungen
vom übrigen Kirchenraum abgetrennt werden.

Der Vatikan hatte bereits in der Enzyklika zur Eucharistie, die vor dem
Ökumenischen Kirchentag in Berlin veröffentlicht worden war, angekündigt,
zur Gestaltung der Liturgie "ein eigenes Dokument - auch mit Hinweisen
rechtlicher Natur - vorzubereiten." Als Begründung führte die Enzyklika des
Papstes an, dass es nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums
mancherorts ein "verkürzendes Verständnis des eucharistischen Geheimnisses"
sichtbar geworden sei.

Der jetzt bekannt gewordene Entwurf ist jedoch offenbar schon bei internen
Diskussion im Vatikan auf Kritik gestoßen und wird voraussichtlich nur mit
Veränderungen veröffentlicht werden. Dennoch ist zu erwarten, dass das
zentrale Anliegen einer "Bereinigung" der liturgischen Praxis auch in der
endgültigen Fassung enthalten sein wird. Die Katholische Deutsche
Bischofskonferenz erklärte durch eine Sprecherin, ihr sei der ganze Vorgang
bislang nicht bekannt (mig/M.G.)

Aus: Der Tagesspiegel, 24.9.2003
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/pubs/aktuell/pageviewer.asp?TextID=30729

Ministrantinnen sind nicht mehr erwünscht

Richtlinie gegen "Fehlentwicklungen im Gottesdienst":
Keine Mädchen, keine Laienprediger.

ROM. Dieser Entwurf wird für Diskussionen sorgen: Der Vatikan arbeitet an
einer verbindlichen Richtlinie, mit der "Fehlentwicklungen" in der Liturgie
eingeschränkt werden sollen. So soll Mädchen in Zukunft das Ministrantenamt
verwehrt werden. Weiters wird das Verbot der "eucharistischen
Gastfreundschaft" im Rahmen ökumenischer Feiern erneuert.

Besonders eindringlich wendet sich der Text dagegen, dass
Pastoralassistenten Rollen übernehmen, die nach katholischem Verständnis dem
Klerus vorbehalten sind. Insbesondere sei es Laien verboten, zu predigen.
Weiters nicht mehr genehmigt sind jegliche Beifallskundgebungen in der
Messfeier sowie Tänze. Auch das Lesen anderer Schriften als der Bibel soll
untersagt werden.

Beschwerde beim Bischof
Gläubige können sich zudem beim zuständigen Bischof beschweren, wenn
Seelsorger bei der Gestaltung der Gottesdienste von den allgemein gültigen
Normen abweichen.

Die "Instruktion" über die Liturgie soll laut dem italienischen katholischen
Monatsmagazin "Jesus" Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres
veröffentlicht werden. Allerdings gibt es dem Vernehmen nach bereits Kritik
innerhalb des Vatikans, etliche Änderungen sind zu erwarten. Dennoch wird
das zentrale Anliegen erhalten bleiben - eine "Bereinigung" der liturgischen
Praxis.

Aus: Neue Kärtner Tageszeitung, 24.9.2003
Quelle: http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=10983

"Rückschritt ins Mittelalter"

ROM / KÖLN. In Italien findet man sie selten, nördlich der Alpen aber
gehören sie vielfach bereits zum kirchlichen Alltag - Messdienerinnen. In
Zukunft soll es sie nicht mehr geben. Wenigstens in der Regel nicht mehr und
nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung eines Bischofs, angeblich in jedem
Einzelfall, sollen Mädchen zum Dienst am Altar herangezogen werden. Das
beinhaltet ein neues päpstliches Schreiben, das spätestens Anfang 2004
veröffentlicht werden wird.

Seine Eckpunkte wurden jetzt in der neuesten Ausgabe des römischen
liberal-katholischen Monatsmagazins "Jesus" sowie in den großen
italienischen Zeitungen veröffentlicht - und sie werden, wie es ein
Kirchenkenner in einer "spontanen" Reaktion ausdrückte, "alles auf den Kopf
stellen, was sich seit dem II. Vatikanischen Konzil im liturgischen Raum
entwickelt hat". In dem Schreiben mit dem Titel "Pfand der Erlösung" ist
demnach die Rede von 37 liturgischen "Vergehen", die in der Kirche während
der Gottesdienste künftig nicht mehr geduldet werden sollen. Messbesucher
sollen, fordert das Papier, solche Vergehen künftig ihrem Bischof oder auch
direkt der Glaubensbehörde in Rom melden.

Einer der Kernpunkte des Papiers betrifft die Pastoral- und
Gemeindeassistenten. Es bestehe, zitiert "la Repubblica", "aus kirchlicher
Sicht keinerlei Bedarf an solchen Assistenten". Das gelte auch dann, wenn es
in den Gemeinden an Geistlichen und Diakonen mangele. Assistenten dürfen
folglich nicht predigen oder die Kommunion austeilen. Auch
Pastoralassistenten anderer Glaubensrichtungen oder Religionen sind laut dem
Entwurf künftig unter allen Umständen zu vermeiden.

Zudem wird der Chorraum angesprochen: Er soll, wenn möglich, künftig wieder
mit "entsprechenden Brüstungen" vom übrigen Kirchenraum abgetrennt werden.
In einem weiteren Punkt nimmt das vatikanische Schreiben auch zum Tanz in
jeder Form und zum Applaudieren während der Gottesdienste Stellung: Beides
ist künftig "unerwünscht" - ausdrücklich auch bei religiösen
Veranstaltungen, bei denen keine Eucharistie vollzogen wird.

Der vatikanische Text wurde von der Glaubenskongregation unter Kardinal
Josef Ratzinger sowie der Gottesdienst-Kongregation (Kardinal Francis
Arinze) erarbeitet. Er werde in diesen Tagen, so "la Repubblica", den
zuständigen (und mit Vertretern der Weltkirche besetzten) Ausschüssen im
Vatikan zugeleitet, um deren Meinung einzuholen. Vertreter der Amtskirche
und von Laienorganisationen waren gestern "allein auf der Basis der
bisherigen Indiskretionen" nicht bereit, sich offiziell zum Inhalt zu
äußern. Allerdings hieß es aus eingeweihten Kreisen auch, das Papier sei in
den Kongregationen "ausführlich und sehr kontrovers" diskutiert worden.
Beobachter gingen deshalb davon aus, dass es bis zur Veröffentlichung
allenfalls im Detail, in Kernpunkten jedoch "kaum noch" verändert wird.

Inoffiziell - und ohne dass einer der Befragten namentlich genannt werden
wollte - lösten die bekannt gewordenen Einzelheiten deshalb gestern meist
Bestürzung aus. Das Papier, wenn es denn richtig zitiert worden sei,
enthalte "alle Elemente, um die Leute aus der Kirche zu treiben",
formulierte ein Theologe mit Blick auf die geplanten neuerlichen
Restriktionen für die Laienarbeit. Ein anderer befürchtet durch die
geforderte räumlichen Trennung von Chor- und Kirchenraum "die Wiederkehr des
Lettners" und damit "folgerichtig einen Rückschritt ins Mittelalter".
Und: "Entsetzlich, das ist die offizielle Aufforderung zur Denunziation"
hieß es zur ausdrücklichen Aufforderung, Verstöße gegen die Liturgie zu
melden. (THOMAS MIGGE und WOLF-DIETER MEYER)

Aus: Kölnische Rundschau, 24.9.2003
Quelle:
http://www.rundschau-online.de/kr/page.jsp?ksArtikel.id=1063554511982&openMenu=&calledPageId=1039082845263

Vatikan will Tänze in Kirchen verbieten

Rom (Der Tagesspiegel, 24.09.2003). Der Vatikan will "Fehlentwicklungen" und
liturgische Experimente in katholischen Gottesdiensten einschränken.
Einzelheiten eines Entwurfs für eine verbindliche Vatikan-Richtlinie hat
jetzt das italienische katholische Monatsmagazin "Jesus" bekannt gemacht.
Das Papier sieht danach unter anderem vor, dass die Gläubigen die Pfarrer
beim zuständigen Bischof "anzeigen" können, wenn diese bei der Gestaltung
der Gottesdienste von den gültigen Normen abweichen. Unter anderem sollten
Klatschen nach der Predigt und sonstige Beifallsbekundungen in der Messfeier
ebenso unterbleiben wie Tänze im Rahmen der Liturgie.

Gerade dieser Punkt erstaunt, weil bei den Messen des Papstes in Italien und
auf seinen Reisen Tänze und Applaus schon seit Jahren zu den Gottesdiensten
dazugehören. Auch in sehr vielen nichteuropäischen Kirchen ist der Tanz ein
selbstverständlicher Bestandteil bei Meßfeiern. Dennoch will das neue
Dokument solche Ausdrucksformen religiöser Freude künftig untersagen. Auch
Messdienerinnen soll es bald nicht mehr geben, es sei denn, der Ortsbischof
gestattet dies ausdrücklich. Kein Priester müsse sich gezwungen fühlen,
weibliche Messdiener zuzulassen, heißt es in dem Text.

Der vatikanische Entwurf mit dem Titel "Pfand der Erlösung" wurde von der
Glaubenskongregation sowie von der Kongregation für den Heiligen Kult
erarbeitet. Er listet insgesamt 37 liturgische Vergehen auf, die in der
Kirche während der Gottesdienste nicht mehr geduldet werden sollen. Ein
Kernpunkt des Dokuments betrifft die Arbeit der Gemeindeassistentinnen. Es
bestehe, heißt es in dem Schreiben, aus kirchlicher Sicht keinerlei Bedarf
an solchen Helferinnen. Das gelte auch dann, wenn es in den Gemeinden an
Geistlichen oder an Diakonen mangele. Pastoralhelfer und -helferinnen sollen
nach dem Willen des Vatikan künftig nicht mehr predigen oder die Kommunion
austeilen dürfen. In einem weiteren Kapitel kommt das Dokument auch auf den
Chorraum zu sprechen. Er soll, wenn möglich, mit entsprechenden Brüstungen
vom übrigen Kirchenraum abgetrennt werden.

Der Vatikan hatte bereits in der Enzyklika zur Eucharistie, die vor dem
Ökumenischen Kirchentag in Berlin veröffentlicht worden war, angekündigt,
zur Gestaltung der Liturgie "ein eigenes Dokument - auch mit Hinweisen
rechtlicher Natur - vorzubereiten." Als Begründung führte die Enzyklika des
Papstes an, dass es nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums
mancherorts ein "verkürzendes Verständnis des eucharistischen Geheimnisses"
sichtbar geworden sei.

Der jetzt bekannt gewordene Entwurf ist jedoch offenbar schon bei internen
Diskussion im Vatikan auf Kritik gestoßen und wird voraussichtlich nur mit
Veränderungen veröffentlicht werden. Dennoch ist zu erwarten, dass das
zentrale Anliegen einer "Bereinigung" der liturgischen Praxis auch in der
endgültigen Fassung enthalten sein wird. Die Katholische Deutsche
Bischofskonferenz erklärte durch eine Sprecherin, ihr sei der ganze Vorgang
bislang nicht bekannt (mig/M.G.)

Aus: Der Tagesspiegel, 24.9.2003
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/pubs/aktuell/pageviewer.asp?TextID=30729

 Ministrantinnen sind nicht mehr erwünscht

Richtlinie gegen "Fehlentwicklungen im Gottesdienst":
Keine Mädchen, keine Laienprediger.

ROM. Dieser Entwurf wird für Diskussionen sorgen: Der Vatikan arbeitet an
einer verbindlichen Richtlinie, mit der "Fehlentwicklungen" in der Liturgie
eingeschränkt werden sollen. So soll Mädchen in Zukunft das Ministrantenamt
verwehrt werden. Weiters wird das Verbot der "eucharistischen
Gastfreundschaft" im Rahmen ökumenischer Feiern erneuert.

Besonders eindringlich wendet sich der Text dagegen, dass
Pastoralassistenten Rollen übernehmen, die nach katholischem Verständnis dem
Klerus vorbehalten sind. Insbesondere sei es Laien verboten, zu predigen.
Weiters nicht mehr genehmigt sind jegliche Beifallskundgebungen in der
Messfeier sowie Tänze. Auch das Lesen anderer Schriften als der Bibel soll
untersagt werden.

Beschwerde beim Bischof
Gläubige können sich zudem beim zuständigen Bischof beschweren, wenn
Seelsorger bei der Gestaltung der Gottesdienste von den allgemein gültigen
Normen abweichen.

Die "Instruktion" über die Liturgie soll laut dem italienischen katholischen
Monatsmagazin "Jesus" Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres
veröffentlicht werden. Allerdings gibt es dem Vernehmen nach bereits Kritik
innerhalb des Vatikans, etliche Änderungen sind zu erwarten. Dennoch wird
das zentrale Anliegen erhalten bleiben - eine "Bereinigung" der liturgischen
Praxis.

Aus: Neue Kärtner Tageszeitung, 24.9.2003
Quelle: http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=10983

"Rückschritt ins Mittelalter"

ROM / KÖLN. In Italien findet man sie selten, nördlich der Alpen aber
gehören sie vielfach bereits zum kirchlichen Alltag - Messdienerinnen. In
Zukunft soll es sie nicht mehr geben. Wenigstens in der Regel nicht mehr und
nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung eines Bischofs, angeblich in jedem
Einzelfall, sollen Mädchen zum Dienst am Altar herangezogen werden. Das
beinhaltet ein neues päpstliches Schreiben, das spätestens Anfang 2004
veröffentlicht werden wird.

Seine Eckpunkte wurden jetzt in der neuesten Ausgabe des römischen
liberal-katholischen Monatsmagazins "Jesus" sowie in den großen
italienischen Zeitungen veröffentlicht - und sie werden, wie es ein
Kirchenkenner in einer "spontanen" Reaktion ausdrückte, "alles auf den Kopf
stellen, was sich seit dem II. Vatikanischen Konzil im liturgischen Raum
entwickelt hat". In dem Schreiben mit dem Titel "Pfand der Erlösung" ist
demnach die Rede von 37 liturgischen "Vergehen", die in der Kirche während
der Gottesdienste künftig nicht mehr geduldet werden sollen. Messbesucher
sollen, fordert das Papier, solche Vergehen künftig ihrem Bischof oder auch
direkt der Glaubensbehörde in Rom melden.

Einer der Kernpunkte des Papiers betrifft die Pastoral- und
Gemeindeassistenten. Es bestehe, zitiert "la Repubblica", "aus kirchlicher
Sicht keinerlei Bedarf an solchen Assistenten". Das gelte auch dann, wenn es
in den Gemeinden an Geistlichen und Diakonen mangele. Assistenten dürfen
folglich nicht predigen oder die Kommunion austeilen. Auch
Pastoralassistenten anderer Glaubensrichtungen oder Religionen sind laut dem
Entwurf künftig unter allen Umständen zu vermeiden.

Zudem wird der Chorraum angesprochen: Er soll, wenn möglich, künftig wieder
mit "entsprechenden Brüstungen" vom übrigen Kirchenraum abgetrennt werden.
In einem weiteren Punkt nimmt das vatikanische Schreiben auch zum Tanz in
jeder Form und zum Applaudieren während der Gottesdienste Stellung: Beides
ist künftig "unerwünscht" - ausdrücklich auch bei religiösen
Veranstaltungen, bei denen keine Eucharistie vollzogen wird.

Der vatikanische Text wurde von der Glaubenskongregation unter Kardinal
Josef Ratzinger sowie der Gottesdienst-Kongregation (Kardinal Francis
Arinze) erarbeitet. Er werde in diesen Tagen, so "la Repubblica", den
zuständigen (und mit Vertretern der Weltkirche besetzten) Ausschüssen im
Vatikan zugeleitet, um deren Meinung einzuholen. Vertreter der Amtskirche
und von Laienorganisationen waren gestern "allein auf der Basis der
bisherigen Indiskretionen" nicht bereit, sich offiziell zum Inhalt zu
äußern. Allerdings hieß es aus eingeweihten Kreisen auch, das Papier sei in
den Kongregationen "ausführlich und sehr kontrovers" diskutiert worden.
Beobachter gingen deshalb davon aus, dass es bis zur Veröffentlichung
allenfalls im Detail, in Kernpunkten jedoch "kaum noch" verändert wird.

Inoffiziell - und ohne dass einer der Befragten namentlich genannt werden
wollte - lösten die bekannt gewordenen Einzelheiten deshalb gestern meist
Bestürzung aus. Das Papier, wenn es denn richtig zitiert worden sei,
enthalte "alle Elemente, um die Leute aus der Kirche zu treiben",
formulierte ein Theologe mit Blick auf die geplanten neuerlichen
Restriktionen für die Laienarbeit. Ein anderer befürchtet durch die
geforderte räumlichen Trennung von Chor- und Kirchenraum "die Wiederkehr des
Lettners" und damit "folgerichtig einen Rückschritt ins Mittelalter".
Und: "Entsetzlich, das ist die offizielle Aufforderung zur Denunziation"
hieß es zur ausdrücklichen Aufforderung, Verstöße gegen die Liturgie zu
melden. (THOMAS MIGGE und WOLF-DIETER MEYER)

Aus: Kölnische Rundschau, 24.9.2003
Quelle:
http://www.rundschau-online.de/kr/page.jsp?ksArtikel.id=1063554511982&openMenu=&calledPageId=1039082845263