Ein heftiger
Streit ist zwischen vier muslimischen Verbänden und der Evangelischen
Kirche in
Deutschland (EKD) entbrannt. Der vor zwei Jahren begonnene Dialog ist
unterbrochen. Die
Muslime stoßen sich an einem Papier der EKD.
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Frankfurt a. M. -
"Mit Bedauern" hat der Ratschef der EKD, Bischof Wolfgang Huber, am
Mittwoch auf die
Absage der Muslime reagiert, an einem dritten Spitzentreffen der beiden
Religionsgemeinschaften
am kommenden Dienstag teilzunehmen. Thema sollten Familie und
die Rolle der Frau
sein. Als Grund für die Absage nennen die vier muslimischen Verbände
-
die
türkisch-islamische Union der Anstalt für Religionen (Ditib), der Islamrat, der
Verband
-
der islamischen
Kulturzentren und der Zentralrat der Muslime - die protestantische
-
Handreichung zum
Verhältnis von Christen und Muslimen.
Die EKD hatte
das Papier "Klarheit und gute Nachbarschaft" im November
herausgegeben.
Darin bestimmen die
evangelischen Christen, in welchen Bahnen der Kontakt zu Muslimen möglich
sein kann;
beispielsweise schließen sie das gemeinsame Gebet aus. Sie wenden sich gegen
eine
aus ihrer Sicht
falsche Toleranz. Muslime sollten "kritische Anfragen an ihre Tradition
und Kultur sowie
bestimmte Interpretationen des muslimischen Glaubens zulassen"
und die
Menschenrechte anerkennen und nicht unter dem Mantel der Religion
relativieren.
Die vier Verbände
interpretieren das Papier allerdings völlig anders. Sie seien
"geschockt"
gewesen, als sie es
gelesen haben, sagte Bekir Alboga, der Dialogbeauftragte von Ditib der
Frankfurter
Rundschau. In der
Handreichung werde das Christentum als die bessere Religion
dargestellt, der
Islam werde als nicht-dialogfähig und nicht aufgeklärt gebrandmarkt. Besonders
erbost hat die
Muslime die Passage der Handreichung, in der die EKD darauf besteht, dass
auch im
interreligiösen Dialog Christen den "dreieinigen Gott bezeugen" müssten. Die
Verbände lesen das
als Missionsauftrag.
Das alles habe
"erhebliche Irritationen ausgelöst", bestätigte auch der
Generalsekretär des
Zentralrats der
Muslime, Aiman Mazyek, der FR. Es bestehe nun "erheblicher
Diskussionsbedarf"
untereinander und
später mit der EKD. Die Verbände hätten deswegen den Dialog unterbrochen
und suchten nun nach
einer gemeinsamen Bewertung des Papiers. Wenn dieser Prozess beendet
sei, solle auch der
Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden, versprach Mazyek. Auf keinen
Fall wollten die
Vertreter der mehr als drei Millionen Muslime in Deutschland den Dialog
abbrechen. "Wir
werden Bischof Huber einladen", sagten Mazyek und Alboga. Wann, konnten
beide noch nicht
abschätzen.
Katharina Sperber
1.2.07
Frankfurter Rundschau, ‚S. 6,