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Frankfurt a. M. · ap · Das Geiseldrama in Beslan hat prominente
Journalisten in der arabischen Welt zu ungewöhnlich scharfer Kritik an
muslimischen Extremisten veranlasst. Ein am Samstag veröffentlichter Artikel in
der in London erscheinenden Zeitung Asharq al-Awsat trug den Titel:
"Die schmerzhafte Wahrheit: Alle Terroristen der Welt sind Muslime".
In der ägyptischen Zeitung Al Ahram hieß es, die Bilder toter und
verletzter Schüler "zeigten Muslime als Monster, die sich vom Blut von
Kindern und dem Schmerz ihrer Familien ernähren".
"Unsere terroristischen Söhne sind ein Endprodukt unserer korrupten
Kultur", schrieb Abdulrahman al Rasched, Intendant des Fernsehsenders Al
Arabija, in seiner täglichen Kolumne für Asharq al-Awsat. Die
meisten Selbstmordanschläge auf Busse, Schulen und Wohngebäude weltweit seien
in den vergangenen zehn Jahren von Muslimen verübt worden. "Das Bild ist
für uns alle beschämend, schmerzhaft und hart", schrieb Al Rasched.
Der Ägypter Ahmed Bahgat beklagte in der Zeitung Al Ahram die Folgen des
Geiseldramas für das Ansehen des Islams. Selbst die Feinde des Islams hätten
keinen derart großen Schaden anrichten können, "wie es die Söhne des
Islams getan haben durch ihre Dummheit, ihre Fehleinschätzungen und ihre
falsche Auffassung von der Natur dieses Zeitalters".
Ein Leitartikel in der saudiarabischen Zeitung Arab News gab dem
russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Mitschuld am blutigen Ende der
Geiselnahme in Nordossetien. Er habe es sich nicht leisten können, sein Bild
vom starken Mann in Frage zu stellen. Allerdings hätten sich die Tschetschenen
durch die Wahl ihres Ziels selbst in eine Position manövriert, "in der
niemand eine Träne vergießen würde, wenn die Strafe folgt. Sie haben einen
neuen Tiefpunkt erreicht, als sie Kinder als Faustpfand auswählten."
Im Internet erschien eine Erklärung im Namen der Islambuli-Brigaden, die sich
zur Entführung der beiden abgestürzten russischen Passagiermaschinen bekannt
hatten. Darin hieß es, die Gruppe habe nichts mit der Geiselnahme in Beslan zu
tun.
6.9.07
Frankfurter Rundschau, S. 2
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/thema_des_tages/?cnt=499300&