Muslime wollen Presse- und Meinungsfreiheit in Dänemark einschränken
Mehrere islamische
Staaten haben gegen eine dänische Tageszeitung mobil gemacht.
Von Jonas Jonsson, Stockholm
Seit die bürgerliche dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ Karikaturisten
dazu ermutigte, satirische Zeichnungen des Propheten Mohammed einzureichen und
zwölf davon unter dem Titel „Die Gesichter Mohammeds“ publizierte, wird die
Chefredaktion mit Morddrohungen überhäuft. Grund für die Veröffentlichung war
laut Chefredaktion die öffentliche Kritik daran, dass kein Medium in Dänemark
es heute wage, kritisches Material über den Islam zu publizieren.
„Es war ein Test“
„Die Publikation war ein Test, inwieweit die Angst vor moslemischen
Vergeltungsaktionen begonnen hat, die Meinungsfreiheit in Dänemark
einzuschränken“, sagte ein leitender Redakteur der Zeitung. Das Resultat des
Tests ließ nicht lange auf sich warten: Islamisten, die bisher vor allem die
dänische Regierung für ihre Beteiligung am Irakkrieg anprangerten, richten ihren
Zorn nunmehr gegen die Pressefreiheit des Landes.
Dabei bekommen sie auch offizielle Unterstützung. Von einer diplomatischen
Krise zwischen Dänemark und Ägypten ist inzwischen die Rede, weil der
islamische Staat die demokratischen Grundfreiheiten des skandinavischen Landes
durch massiven diplomatischen Druck einzuschränken versucht.
Unglaublicher Skandal
Nun verkündete die ägyptische Regierung, dass sie eine „weltumspannende“
Kampagne gegen die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ einleiten werde, um
eine Entschuldigung für die Verunglimpfung des Propheten zu erwirken.
Der ägyptische Außenminister Ahmad Abu el Ghayt sagte, dass die
veröffentlichten Zeichnungen ein unglaublicher Skandal seien. Der Minister
teilte mit, dass er Protestbriefe an Staatschefs in der ganzen Welt verschickt
habe und sich auch bei UN-Generalsekretär Kofi Annan beschwert habe. „Mein
Grund dafür ist, dass der Protest dazu beitragen könnte, neben einer
eventuellen Entschuldigung, das gegenseitige Verständnis zu verbessern und einen
Stopp von solchem Unfug durchzusetzen sowie Europa dazu anzuspornen seine
Einstellungen zu ändern“, so Ghayt.
Neben Ägypten schickten zehn weitere moslemische Botschafter eine Protestnote
an Premierminister Anders Fogh Rasmussen. Der bürgerliche dänische Staatschef
lehnte ein Treffen mit den Botschaftern rigoros ab, mit der spitzen Begründung:
„Wer annimmt, dass ich irgendeine Beeinflussungsmacht gegenüber dem, was
nationalen Zeitungen machen und drucken habe – dem ist die Essenz der dänischen
Demokratie völlig entgangen.“
Religiöse Verunglimpfung
Der ägyptische Botschafter drohte daraufhin, man wolle eventuell andere
führende Politiker des Landes bezüglich der religiösen Verunglimpfung
kontaktieren, wenn der Premier die Botschafter nicht empfangen wolle. Nach
zaghaften Beschwichtigungsversuchen von Saudi-Arabien, welches die Protestnote
vorerst nicht unterschrieb, übergaben die verärgerten Botschafter den Fall an
die „Organisation der islamischen Konferenz“, die 56 Länder repräsentiert und
bereits ein Protestschreiben an die dänische Regierung verschickt hat.
Unterdessen erfreut sich Franz Füchsel, einer der zwölf Mohammed
Karikaturisten, welche die dänische Tageszeitung veröffentlichte, großer
Aufmerksamkeit. Er will seine Karikaturen nun unter lautem Trommelwirbel und
völlig öffentlich versteigern. Der Erlös soll an Erdbebenopfer im moslemischen
Pakistan gehen. „Ich wollte niemandem Schaden zufügen. Wo ich lebe, ist es aber
okay andere zu kritisieren, ohne dafür gleich zerrissen zu werden“, sagte er.
15.11.05
Quelle: http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe.htm?id=21454