Mitgliederkrise
Besonders geprägt von Individualisierung, Wertewandel und Säkularisierung ist die Generation ab 1970, d.h. die Zukunft der Kirche. Die Betonung der Selbstbestimmung bewirkt besonders bei dieser Generation eine Enttraditionalisierung. Dies bedingt den Verlust von fraglosen Gewißheiten: Es ist kaum noch etwas (selbst-) verständlich (auch Eucharistie und Buße nicht). Die Folge davon ist:
Die institutionalisierte Religion reagiert auf diese Tendenzen zunehmend mit der Verrechtlichung von Glaube und Religion. Dieses Gegensteuern hat zur Folge, daß Theologen, Priestern und Bischöfen immer mehr die Kompetenz abgesprochen wird, Aussagen zu treffen oder gar Weisungen zu geben, die den individuellen Glauben betreffen. Hierarchie und Kirchenmitglieder haben es heute mit drei Erscheinungsformen zu tun, dem:
Beim Einzelnen tritt immer mehr die Gewissensethik an die Stelle der Gesetzesethtik. Die Pluralität religiöser Auffassungen, auch von Katholiken, wird sich durch kirchliche Gesetze nicht bremsen lassen. ( Nach: K. Walf, Zum Verrechtlichungsdilemma in Religion und Kirche, In: Orientierung, Kath. Blätter für weltanschauliche Fragen, Hrsg. Institut für weltanschauliche Fragen, Nr. 12, Zürich 30.6.99, S. 137 ff))
Die Kirche steht somit vor einem Dilemma. Will sie eher die zahlenmäßig stark vertretene Generation der über 60 - zigjährigen ansprechen, kann sie sich mehr an den überkommener Kriterien der Kirchlichkeit orientieren. Möchte sie dagegen die im kirchlichen Alltag zahlenmäßig gering vertreten jüngeren Jahrgänge erreichen, wird sie auf deren Lebensgefühl eingehen und die Verkündigung so gestalten müssen, daß sie von diesen verstanden wird. Selbst eine so geänderte Verkündigung würde aber voraussichtlich die Kirchen nicht wesentlich mehr füllen als dies heute der Fall ist. (Vgl.: W. Huber, Kirche in der Zeitenwende, Gütersloh², 1999)
Bearbeitung: H-A Link