Mit der Kirche im Clinch

Wallfahrt in Einsiedeln (CH): neue Inhalte und neue Pilgerkreise

Einsiedeln lädt ein zu einer anderen Wallfahrt. Unter der Bezeichnung «Mit der Kirche im Clinch» wird vom 9. bis 13. Juli 2003 ein neuartiger Wallfahrtstyp angeboten. Zielpublikum sind Menschen, deren Verhältnis zu Glaube, Religion und zur katholi-schen Kirche getrübt ist.

pd. «Die Wallfahrt fordert uns heraus!» Dieser Überzeugung ist Abt Martin Werlen. Er ist seit 13 Monaten Vorsteher des Klosters Einsiedeln, des grössten Pilgerortes der Schweiz. «Wir sind herausgefordert, den Menschen dort abzuholen, wo er heute steht.» Diese Überlegung war die Geburtsstunde eines neuen Wallfahrtstyps. Entstanden ist eine andere Wallfahrt. Sie heisst «Mit der Kirche im Clinch». Damit beschreitet Einsiedeln in seiner über 1000-jährigen Wallfahrtstradition neue Wege, ohne das bisherige Pilgerangebot jedoch zu konkurrenzieren.

Ein Aufruf zum Dialog

Das Konzept dieser Wallfahrt hat Modellcharakter. Anders ist einiges: die angesprochen Leute, die ganzheitliche Ausrichtung, das individuell gestaltbare Programm, die offene Erwartung der Organisatoren und selbst das Resultat. Bei dieser Wallfahrt dürfen Fragen aufgeworfen und klare Antworten erwartet werden. Abt Martin: «Als Christinnen und Christen, die in der Kirche beheimatet sind, muss uns die Gottsuche jener, die mit der Kirche im Clinch sind, besonders am Herzen liegen. Einsiedeln soll ein Ort der Gottsuche für alle Menschen sein.» Im Rahmen der drei Schwerpunkte Kirche und Spiritualität, Kirche und Körper sowie Kirche und persönliche Meinung werden aktuelle sowie grundsätzliche Themen erörtert. Die Wallfahrt ruft damit zum Dialog auf. «Dazu», so Abt Martin, «müssen wir alle bereit sein, unsere Positionen auch hinterfragen zu lassen.» Meinungsverschiedenheiten müssen kein Hindernis sein, sondern zum Suchen nach Gott ermutigen.

In einer Art Sinnkrise

An einer Medienkonferenz vom 15. Januar rekapitulierte das aus Laien und Mönchen zusammengesetzte Organisationskomitee die neunmonatige Vorbereitungszeit. Dabei stellte OK-Präsident Gerhard Oswald fest, dass sich Dorf und Kloster Einsiedeln in den letzten Jahren «von der Wallfahrt verabschiedet haben», sehe man einmal von der Wallfahrtslei-tung ab. «Die Wallfahrt in Einsiedeln befindet sich in einer Art Sinnkrise.» Von der «Clinch-Wallfahrt» können neue Inhalte und neue Impulse erwartet werden; Zeichen, dass man sich auch in einem traditionellen Pilgerdorf wie Einsiedeln zunehmend der Bedeutung der Wallfahrt wieder bewusst werde. Beide Partner - Kloster und Dorf - stehen als Organisatoren.

Vier Tage - modulartig aufgebaut

Die Wallfahrt dauert als ganzes vier Tage (Mittwochabend bis Samstag). Jeder Tag ist inhaltlich eigenständig und kann somit auch einzeln besucht werden. Die Tagesangebote sind modulartig aufgebaut. Die inhaltliche Spannbreite ist gross, spricht Kopf, Herz und Hand an. Vorträge zu den genannten Schwerpunkten, Diskussionen und Einzelgespräche stehen ebenso zur Auswahl wie Führungen durch Kloster, Dorf und nähere Umgebung oder auch Ateliers wie Choralgesang, Kapellentour per Bike oder Wanderung auf den Spuren des heiligen Meinrad. Abgerundet wird das Programm mit einem Kulturangebot von hohem Rang, das allen Interessenten offen steht - also auch den Nicht-Wallfahrern. Der kulturelle Teil findet an den Abenden in der Klosterkirche statt und umfasst ein theologisches Streitgespräch, ein grosses Kirchenkonzert mit einem bekannten englischen Chor sowie einen Auftritt der Schauspielerin Maria Becker, die Esther Vilars «Antrittsrede der amerikanischen Päpstin» vorträgt. Ebenso gehören zur Wallfahrt eine Ausstellung über Einsiedler Votivgaben sowie ein gemeinsamer Abschlussgottesdienst. Weiterführende Inhalte können unter der am 15. Januar aufgeschalteten Homepage www.clinch-wallfahrt.ch abgerufen werden.

16.01.03

Quelle: http://www.clinch-wallfahrt.ch