"Macht - Geld -Kirche"

Die finanzielle Lage der Kirche in Zeiten knapper Kassen

Sparmaßnahmen und Entlassungen

Vorschläge für eine faire Finanz- und Personalpolitik

 

1.      Tarifverträge abschließen...

Auf der Grundlage des so genannten Dritten Weges, der die Arbeits- und Einkommensbedingungen für kirchlich Beschäftigte regelt, sind keine unabhängigen und fairen Verhandlungen möglich. .

 

2.      Offenheit in Haushalts- und Vermögensfragen.

Der veröffentlichte Diözesanhaushalt zeigt nur etwa ein Fünftel bis ein Drittel des tatsächlichen Finanzgeschehens eines Bistums. Auch die übrigen Haushalte aller eigenständigen kirchlichen Rechtsträger... müssten offen gelegt werden. ... Diese Informationen sollten den Mitarbeitervertretungen schriftlich vorliegen und von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft und beglaubigt werden. Offen gelegt werden sollten auch die kirchlichen Vermögen... Auch der Bischöfliche Stuhl sollte Auskunft über Einnahmen und Ausgaben geben...

 

3.      Verknüpfung der einzelnen Rechtsträger im Krisenfall.

Warum soll das Vermögen des Bischöflichen Stuhls oder anderer Gewinn bringender kirchlicher Einrichtungen nicht eingesetzt werden, um einen Kindergarten oder ein Migrantenprojekt oder Arbeitsplätze zu retten? ..

 

4.      Nachhaltige Personalentwicklung.

In den Bistümern muss geklärt werden, welche Aufgaben das Unternehmen Bistum hat, welche Aufgaben es davon auch in Zukunft übernehmen will und wie viele Mitarbeiter dafür gebraucht werden. Daran sollten Vertreter des gesamten Bistums beteiligt werden...

 

5.      Verhandeln statt hierarchisch entscheiden.

Die Entscheidung, an welchen Stellen in den Bistümern auf welche Weise um wie viel gekürzt wird, fällt häufig hinter verschlossenen Türen...

 

6.      Kein Verzicht ohne Gegenleistung.

Um Kündigungen zu vermeiden..., sind kirchlich Beschäftigte oft vorschnell bereit, auf Zuwendungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld zu verzichten, ihre Arbeitszeit zu erhöhen oder Gehaltskürzungen zuzustimmen. Zuvor sollten sie einen unabhängigen Gutachter einschalten, um zu prüfen, ob eine wirtschaftlich schwierige Lage vorliegt.

 

7.      Entwicklung einer Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkultur.

Durch eine ethisch-moralische Überidentifikation mit ihrer Arbeit übersehen Beschäftigte und ihre Vertreter leicht, dass auch für kirchliche Mitarbeiter die Geschäftsgrundlage ein Vertrag zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist, der Pflichten und Rechte beinhaltet. ...

 

8.      Sachkosten sparen statt Personal.

Es gibt Bistumsleitungen und Berater, die fixiert darauf sind, beim Personal zu sparen, .... Man könnte auch überlegen, wo sich Wasser, Heizungs- und Stromkosten oder z.B. die Anschaffungskosten für einen Dienstwagen reduzieren oder einsparen lassen...

 

Die Autorin

Birgit-Sara Fabianek ist Historikerin. Die ausgebildete Journalistin schreibt für Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Zeitschriften und ist ständige Mitarbeiterin des Verlags Publik- Forum. Sie lebt und arbeitet in Aachen.

 

Die hier gekürzt abgedruckten Texte stammt aus dem neuen Buch "Und vergib uns unsere Schulden - Die Finanzpolitik der katholischen Kirche und ihre Geheimnisse", das Fabianek zusammen mit Thomas Seiterich-Kreuzkamp geschrieben hat. (Verlag: Publik-Forum; 288 Seiten; Preis: 14,90 )

Kreuzkamp ist promovierter Theologe und Historiker. www.publikforum.de aud

 

Nach: Frankfurter Rundschau, 23.5.06, S. 7

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/?em_cnt=888724&sid=5c70151cf2e4df2df9fbabf903283782