Tübingen, 12.3.2003 (KNA). Der katholische Theologe Hans Küng hat wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag den Vatikan zur Aussöhnung aufgefordert. Rom solle seine Positionen dulden, sagte der 1979 von der Kirchenleitung gemaßregelte Küng in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Tübingen. "Man könnte - ungeachtet der ungeklärten Probleme - doch anerkennen, was in der Kirchengemeinschaft ohnehin anerkannt geblieben ist: dass ich loyaler katholischer Theologe bin", meinte der gebürtige Schweizer, der am 19. März 75 Jahre alt wird, wörtlich.
Der Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis im Jahr 1979 war Höhepunkt eines langjährigen Konflikts, in dessen Mittelpunkt die Unfehlbarkeit des Papstes und Grundfragen der Christologie standen. Der "Fall Küng" erschütterte das Verhältnis zwischen Kirchenleitung und Theologie wie kein anderer Konflikt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Küng, der stets Priester blieb, äußert sich immer wieder zu kirchenpolitischen Kontroversen und warnt vor zu viel Zentralismus. Seit 15 Jahren engagiert er sich im Dialog der Weltreligionen und für ein religionsübergreifendes "Projekt Weltethos".
Er sehe für eine Aussöhnung mit dem Vatikan durchaus Perspektiven, bekräftigte Küng. So habe er seit 25 Jahren seine theologischen Positionen "so sehr geklärt wie kaum ein anderer". Eine Annäherung mit der Kirchenleitung setze aber voraus, dass auch das Römische Lehramt "in einen selbstkritischen Dialog eintritt und sich nicht mit Dekretieren, Verurteilen und Ignorieren begnügt". Für ihn sei dabei die "pragmatische Versöhnung" der Duldung denkbar. Am Wochenende hatte sich auch der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper für eine Versöhnung zwischen dem Vatikan und Küng ausgesprochen. Die Kurie wäre dankbar, wenn so etwas möglich wäre, betonte er.
17.3.03
Quelle: http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030312t115247171.htm