Regensburgs katholisches Kirchenoberhaupt entlässt einen
unliebsamen Laienfunktionär
Von Hilde
Regeniter (Frankfurt a. M.)
Die Suspendierung
eines Dekanatsratsvorsitzenden durch den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig
Muller sorgt für Arger in der katholischen Kirche. Weil Johannes Grabmeier der
katholischen Bewegung " Wir sind Kirche" angehört, entließ ihn der
Bischof. Denn Muller wirft der Gruppe "kirchenfeindliches Verhalten"
vor.
Im Prinzip dürfe ein
Bischof einen gewählten Laienfunktionär absetzen, wenn die Entlassung aus
rechtmäßigen Gründen erfolge und "nicht aus Willkür", gesteht selbst
der betroffene –nun mehr ehemalige -Dekanatsratsvorsitzende von
Deggendorf-Plattling, Johannes Grabmeier, ein. Doch rechtmäßige Gründe kann das
Ex-Diözesanratsmitglied im Entlassungsschreiben des Bischofs von Ende März
nicht erkennen. Dort heißt es, die Bewegung " Wir sind Kirche" (WsK)
richte sich gegen das "zur göttlichen Verfassung der Kirche gehörende
Bischofsamt" und stehe damit nicht auf "dem Boden des kirchlichen
Bekenntnisses". Allerdings, kritisiert Grabmeier, für diese
"pauschalen Anschuldigungen" des Bischofs fehle jeder Nachweis. Gegen
seine Absetzung legte Grabmeier jetzt Einspruch beim Bischof ein. Trotz einer
Empfehlung des Kirchenrechts sei er zu den Vorwürfen in keiner Weise"
gehört worden.
Der Konflikt zwischen
dem als konservativ geltenden Kirchenmann und der Reformbewegung, die etwa für
die Ordination von Frauen und die Abschaffung des Z'6libats eintritt, schwelt
in Regensburg seit Müllers Weihe vergangenen November. Damals hatte WsK die Sorge
geäußert, Rom setze "eine Art General" mit autoritärem Führungsstil
auf den Bischofsstuhl. Im Gegenzug warf Müller der Gruppierung einen
"permanenten Konfrontationskurs" vor, sie blockiere die Neuevangelisierung
der Diözese".
Ein Sprecher des
Regensburger Ordinariats verwies auf Anfrage nur auf frühere Erklärungen. Darin
werden " Vorwurfe der Gesprächsverweigerung" zurückgewiesen. Eine Unterredung
macht der Bischof von einer "'öffentlichen Entschuldigung Grabmeiers für
alle die Kirche und das Bischofsamt beschädigenden Äußerungen der so genannten
Bewegung abhängig" .
Er und " Wir
sind Kirche" hatten nie das Bischofsamt in Zweifel gezogen, sondern einen
,;konstruktiv-kritischen Dialog" gesucht, hält Grabmeier dagegen. Er habe
zudem stets versucht, seine Arbeit in den Laiengremien von der Zugehörigkeit zu
der Basisbewegung zu trennen.
Der Vorsitzende des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, bat den
Bischof in einem Brief, von seiner "rechtlich unhaltbaren Vorgehensweise
Abstand zu nehmen und bei Konflikten mit gewählten Laienrepräsentanten den Weg
des Dialogs zu suchen". Muller ließ sein Ordinariat antworten, es sei höchst
bedauerlich, dass sich das ZdK "für die Hetzkampagne gegen den Bischof
habe instrumentalisieren lassen", und verbat sich eine Einmischung.
Der Münchner
Benediktinerabt Odilo Lechner, vom Rang her einem Bischof gleichgestellt,
nannte Müllers Vorgehen "nicht klug" .Laien mussten einen Bischof
kritisieren dürfen. Der Fall Grabmeier" gilt als einmalig in der deutschen
Kirche. Nicht nur WsK befurchtet nun, dies könnte ein weiterer Schritt sein,
die Bedeutung der Laiengremien zu beschneiden.
29.4.03
Quelle: Frankfurter Rundschau S. 5