Bei einer
historisch-kritischen Untersuchung der Quellenlage des Korans wird verblüffend
deutlich:
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Alle
»Informationen«, der klassischen Islamwissenschaft entstammen erst Schriftzeugnissen
aus dem 9. Jahrhundert, also einer Zeit rund 200 Jahre nach dem Tod Mohammeds.
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Dieser war
damals die Identifikationsfigur eines mächtigen Großreichs.
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Erst in diesen
Quellen aber, biografische Werke und Sammlungen, so genannter Hadithe
(mündliche Überlieferungen neben dem Koran), wird ein Leben Mohammeds geboten.
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Und erst in
diesen Quellen wird der Koran auf Mohammeds Verkündigung in Mekka und Medina
zurückgeführt.
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Der
legendarische Charakter dieser Quellen drängt sich schon bei einem unvoreingenommenen
Lesen auf. So werden zum Beispiel Fragestellungen thematisiert, die zur
möglichen Lebenszeit des Propheten noch keine Rolle gespielt haben konnten.
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Es legt sich die
Schlussfolgerung nahe: Die Gestalt des arabischen Propheten bleibt historisch
völlig im Dunklen.
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Härter
formuliert: Mohammed steht als historische Gestalt in Frage. »Mohammed ist
keine historische Gestalt, seine offizielle Biografie ist das Produkt der Zeit,
in der sie geschrieben wurde«, sagt der jüdische Islamwissenschaftler Y. D.
Nevo. ......
Der Generalnenner
heißt: Der Koran fußt auf einem syrisch-arabischen Christentum, zu dem sich im
7. Jahrhundert viele Stämme im Vorderen Orient bekannten. Sie haben das Christentum
angenommen in einer Zeit. als das Konzil von Nizäa im syrischen Raum noch nicht
bekannt war. Deswegen verstanden sie Jesus als »Knecht Gottes«. »Gesandten«
oder »Propheten«. .....
Nach: Publik-Forum, Oberursel, Nr. 21, 4.11.2005, S. 30 ff
Buchhinweis:
Karl-Heinz Ohlig, Gerd-Rudiger Puin: »Die dunklen Anfänge. Neue Forschungen zur
Entstehung und frühen Geschichte des Islam«, Hans Schiler Verlag, Berlin 2005
Zusammenstellung: H-A Link