Kommunionverweigerung für Kerry möglich

Washington, 20.6.2004 (KNA). Die katholische Bischofskonferenz der USA hält
die Verweigerung der Kommunion für Politiker, die die Abtreibung
befürworten, für legitim. Die Entscheidung darüber liege allerdings beim
einzelnen Ortsbischof und müsse "in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht und
nach pastoralen Prinzipien erfolgen", betonten die Bischöfe in einer am
Wochenende in Washington veröffentlichten Erklärung zum Abschluss einer
Klausurtagung.

Damit reagierten sie auf die heftige öffentliche Debatte um den
demokratischen Präsidentschaftsbewerber und Katholiken John Kerry. Mehrere
Bischöfe hatten in jüngster Zeit erklärt, sie würden Kerry das Sakrament
verweigern, da dieser Schwangerschaftsabbruch propagiere. Ein Bischof sagte
zudem, auch Katholiken, die derartige Politiker wählten, müssten vom
Kommunionempfang ausgeschlossen werden. Andere hingegen meinten, derartige
Strafmaßnahmen seien unangemessen.

Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Washingtoner Kardinals Theodore
McCarrick hatte sich seit längerem mit dem Problem beschäftigt und der
Klausurtagung einen Bericht dazu vorgelegt. In der von der Bischofskonferenz
daraufhin verfassten Erklärung heißt es weiter, dass der Respekt vor der
heiligen Eucharistie es verlange, diese nur mit der rechten Gesinnung zu
empfangen.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040620t113217656.htm


Vatikan will Kommunion-Streit um John Kerry versachlichen

Washington-Vatikanstadt, 17.6.2004 (KAP). Der Vatikan bemüht sich um eine
theologische Versachlichung des "Kommunion-Streits" in den USA um den
katholischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry. Wie amerikanische
Kirchenkreise in Rom am Donnerstag bestätigten, hat der Präfekt der
vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, unlängst in
einem Schreiben an den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Bischof Wilton
Gregory, den Standpunkt des katholischen Lehramts in dieser Frage
verdeutlicht.

Nach amerikanischen Medienberichten hält die Mehrheit der Bischöfe in den
USA die Kommunionverweigerung nicht für den geeigneten Weg, die politische
Debatte um die Abtreibung zu beeinflussen. Ein Kirchenjurist in Rom weist in
diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Priester nach dem geltenden
Kirchenrecht (Kirchenrechtskanon CIC 912) jeden katholisch Getauften zur
Kommunion zulassen muss, sofern der Betroffene nicht rechtlich davon
ausgeschlossen ist. Ein solcher Ausschluss wäre etwa dann gegeben, wenn der
Betroffene förmlich exkommuniziert wäre, in zweiter Ehe nach einer Scheidung
lebe oder aus sonstigen Gründen "offenkundig in schwerer Sünde verharre".

Wenn dies bei Kerry nicht zutrifft - so die Juristenmeinung weiter -, könnte
der zuständige Ortsbischof dennoch eine Kirchenstrafe gegen den Politiker
verhängen, weil er öffentlich den Gehorsam gegenüber einer wichtigen Lehre
des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen verweigert (CIC-Canones 752 und
1371). Allerdings müsse auch in diesem Fall der Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit der Strafe beachtet und das Ausmaß des öffentlichen
Ärgernisses in Betracht gezogen werden. Vatikan-Beobachter gehen davon aus,
dass Ratzinger in seinem Schreiben an die US-Bischöfe diese Grundsätze sowie
die theologischen Aspekte der Eucharistiegemeinschaft betont hat.

Quelle:
http://www.kathpress.at/news/kwn865qylo472prs/kwn-20040617t153326053.htm


Zur Information:

can. 752 CIC (1983): "Nicht Glaubenszustimmung, wohl aber religiöser
Verstandes und Willensgehorsam ist einer Lehre entgegenzubringen, die der
Papst oder das Bischofskollegium in Glaubens- oder Sittenfragen verkündigen,
wann immer sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie diese Lehre
nicht definitiv als verpflichtend zu verkünden beabsichtigen; die Gläubigen
müssen also sorgsam meiden, was ihr nicht entspricht."

can. 912 CIC (1983): "Jeder Getaufte, der rechtlich nicht daran gehindert
ist, kann und muß zur heiligen Kommunion zugelassen werden."

can. 1371 CIC (1983): "Mit einer gerechten Strafe soll belegt werden: 1. wer
außer dem in can. 1364, § 1 genannten Fall eine vom Papst oder von einem
Ökumenischen Konzil verworfene Lehre vertritt oder eine Lehre, worüber can.
750, § 2 oder can. 752 handelt, hartnäckig ablehnt und, nach Verwarnung
durch den Apostolischen Stuhl oder den Ordinarius, nicht widerruft; 2. wer
sonst dem Apostolischen Stuhl, dem Ordinarius oder dem Oberen, der
rechtmäßig gebietet oder verbietet, nicht gehorcht und nach Verwarnung im
Ungehorsam verharrt."

Quelle: http://www.codex-iuris-canonici.de

 

 

Eine ganz neue Umfrage in der katholischen Bevölkerung der USA zeigt:

•76 % der Befragten sind dagegen, dassKatholikInnen die Kommunion verweigert wird, die sich für die die Legalität des Schwangerschaftsabbruchsaussprechen. 78 % sprechen sich dafür aus, dass katholischen PolitikerInnen die Kommunion NICHT verweigert werden sollte, die sich für Legalität des Schwangerschaftsabbruch aussprechen.

• Nur 16 % glauben, dass katholische PolitikerInnen eine religiöse Verpflichtung haben, so abzustimmen, wie es die Bischöfe angeben; 83 % sind der Meinung, es gäbe keine religiöse Verpflichtung dazu.

• Drei Viertel (74 %) lehnten die Idee ab, dass katholische WählerInnen eine religiöse Verpflichtung haben GEGEN Kandidaten zu stimmen, die die Legalität des Schwangerschaftabbruchs unterstützen

• Schließlich gaben amerikanische KatholikInnen an, bis zu welchem Grad die Bischöfe ihre moralische Autorität verloren haben. Als sie befragt wurden, ob die Meinung der katholischen Bischöfe bedeutsam ist für Ihre Entscheidung, welchen politischen Kandidaten zu wählen, gaben nur sieben Prozent an, die Meinung der Bischöfe wäre ihnen wichtig. Für 23 % hat sie etwas Bedeutung, für 30 % ist sie nicht sehr wichtig und 40 % meinen, die Meinung der Bischöfe wäre völlig bedeutungslos, wenn sie sich darüber entscheiden würden, welchen Kandidaten zu wählen.

Es handelt sich um die wichtigste und statistisch signifikanteste Umfrage über die Meinung von KatholikInnen zur Strategie der Bischöfe, Empfang der Eucharistie und Unterstützung der Legalität des Schwangerschaftsabbruchs miteinander zu koppeln im Kontext der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im November 2004. Von 2. - 10. Juni wurde sie von Belden Russonello and Stewart durchgeführt, eines renommierten Washingtoner Meinungsumfrageinstituts. 2.239 KatholikInnen wurden befragt, darunter 366 "Hispanics" (KatholikInnen lateinamerikanischer Herkunft)

Wie Frances Kissling, Vorsitzende von Catholics For a Free Choice bei der Bekanntgabe dieser Daten erklärte: "Die paar Bischöfe, die beschlossen haben, den Empfang der Kommunion als Waffe im amerikanischen Krieg um den Schwangerschaftsabbruch einzusetzen, setzen sich hinweg über bewährte katholische Prinzipien von politischer Freiheit und von Gewissensfreiheit. Sie versuchen, eine neue Lehre zu kolportieren, die suggeriert, es könnte schwere Sünde sein, wie jemand über politische Massnahmen abstimmt. Gleichzeitig scheinen die Bischöfe außer Auch zu lassen, dass der Schuss nach hinten abgehen kann, wenn sie sich in Parteipolitische Angelegenheiten einmischen. Die Bischöfe haben wenig zu gewinnen, wenn sie katholische KandidatInnen und WählerInnen angreifen. Diese Umfrage zeigt, dass sie aber viel zu verlieren haben". Sie erklärte weiter: "Vielleicht hätte Präsident Bush besser daran getan, während seines Besuchs im Vatikan die Würdenträger dort darum zu bitten, den amerikanischen Bischöfen zu raten, sich aus der Politik herauszuhalten, statt noch agressiver seine Agenda der Verweigerung der Selbstbestimmung zu unterstützen"

Die Umfrage untersuchte auch, wie KatholikInnen über wichtige politische Fragen denken, wie den Krieg in Iraq oder Arbeitsplatzbeschaffung und wie sie wählen würden, wenn die Wahlen heute stattfänden. 39 % der Befragten erklärten, sie würden mindestens einmal oder öfter in die Kirche gehen. 14 % gehen mindestens einmal im Monat, 36 % mehrmals im Jahr und 11 % nie.

Die komplette Studie wird Mitte Juli veröffentlicht werden.

Quelle: www.catholicsforchoice.org - What's New?

Eine andere gleichzeitig bekanntgewordene Umfrage, die von Time Magazine durchgeführt wurde, bestätigt die Resultate: 73 % der befragten KatholikInnen antworteten "Nein" auf die Frage: "Sollte Senator Kerry die Kommunion verweigert bekommen, weil er "pro-choice" ist?"

 

Die Bischöfe wollten sich eigentlich erst nach den Wahlen im November zu diesem in den USA immer heisser werdenden Thema äußern. Aber sie gaben dem immer größeren Druck erzkonservativer Kreise nach.

 

Währenddessen hat sich innerhalb des Kongresses eine Gruppe von 48 katholischen Abgeordneten gebildet, die gegen diese Politisierung der Eucharistie protestieren.

 

 

Mein persönlicher Kommentar:

 

Abgesehen von der Frage nach Trennung von Staat und Kirche und von Politik und Religion, wird hier die "Macht der Amstträger" unserer Kirche, was die (fragwürdige) "Verwaltung" des Vermächtnisses Jesu angeht, aus einer ganz anderen Perspektive her beleuchtet. 

 

Statt ein Zeichen der Einheit des Leibes Christi und der Gegenwart Gottes in der Welt und in der menschlichen Wirklichkeit zu sein, wird die Eucharistie im Ökumenestreit zum Zeichen dafür, dass nur ein katholischer, männlicher, durch einen katholischen Bischof geweihter Amtsträger als einzig legitimer Mittler zwischen Gott den Menschen anerkannt werden darf, (als einziger, der sakramental Gottes Gegenwart in uns und bei uns vollbringen kann). Botschaft ist also, dass alle, die an der sakramentalen Vermittlung teilhaben wollen, dieses Monopol anerkennen müssen (was anscheinend - zumindest formal - die Taufe mit katholischem Weihwasser tut).

 

Gleichzeitig erleben wir in den USA, dass die Amtsträger die Eucharistie dazu benutzen, ihre Vorstellungen von der weltlichen Verwaltung der Gesellschaft KatholikInnen wie nicht-KatholikInnen aufzuzwingen, und zwar mittels der katholischen Laien. Darin besteht anscheinend der Dienst der Laien an "der Kirche" (verstanden als dem Korpus der Kleriker). Laien üben inzwischen eine politische Macht aus, die sich demokratisch legitimiert, also sich von der kirchlichen, religiösen Macht emanzipiert hat (man nennt das Säkularisation). Die kirchliche Autorität muss sich dieser katholischen Laien bedienen, um in der Gesellschaft durchzusetzen, was das Lehramt als richtig (die "Wahrheit" in Sachen Moral, nicht nur in Sachen Glaubensdogmen) definiert. Es wird inzwischen nicht mehr gezögert, die Eucharistie als ultima ratio in einem verzweifelten Kampf gegen immer mehr abbröckelnde moralische (und politische) Autorität und Glaubwürdigkeit einzusetzen. Ist das nicht Profanation (Entsakralisierung) unserer heiligsten Symbole und Rituale?

 

Es ist in der Tat notwendig, ein allgemeines Nachdenken über die Bedeutung der Eucharistie in der katholischen Kirche anzusetzen. In der zweiten Hälfte Oktober 2005 werden sich die Bischöfe in Rom zu einer Bischofssynode über die Eucharistie versammeln. Die Lineamenta stehen schon auf der Homepage des Vatikans.

 

Elfriede Harth

 

 

Elfriede Harth
European Representative
Catholics for a Free Choice
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F 78000 Versailles - France
Tel/Fax: +331 3902 7890
eharth@catholicsforchoice.org
www.catholicsforchoice.org


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