Kolumbien: Empörung nach Entführung von Erzbischof
Bogotá (AFP)
Die Entführung des Vorsitzenden der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Kolumbien durch mutmaßliche FARC-Rebellen hat international Empörung ausgelöst. Kardinal Pedro Rubiano, der höchste katholische Würdenträger des Landes, verurteilte die Verschleppung von Erzbischof Jorge Jiménez als "weiteren Schlag gegen die Kirche". Papst Johannes Paul II. forderte die sofortige Freilassung des Geistlichen. Der Erzbischof von Zipaquirá wurde am Montag zusammen mit einem Ortspfarrer nahe der Hauptstadt Bogotá verschleppt.
Drei oder vier Bewaffnete hätten die beiden Geistlichen in ihre Gewalt gebracht, teilte die Armee mit. Sie machte umgehend die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) für die Tat verantwortlich. Die Kirchenmänner hatten sich zu Tauf- und Konfirmationsfeiern in einem kleinen Dorf nahe Pacho nördlich von Bogotá aufgehalten. Ihr Fahrer,
den die Entführer freiließen, konnte die Polizei alarmieren. Eine groß angelegte Suchaktion der Armee im Norden der Hauptstadt blieb zunächst ohne Erfolg. In der Gegend um Pacho halten sich zahlreiche FARC-Kämpfer aber auch rechtsgerichtete Paramilitärs auf.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zeigte sich bestürzt und drängte die kolumbianische Regierung, alles für die unversehrte Freilassung der beiden Entführten zu tun.
In Kolumbien, wo sich auch zahlreiche Drogenbarone und Berufskiller zu ihrem katholischen Glauben bekennen, geraten immer wieder auch Vertreter der Kirchen ins Visier bewaffneter Gruppen. Allein seit März wurden elf katholische Geistliche getötet, unter ihnen der Erzbischof von Cali, Isaías Duarte. Er war zuvor mit Kritik am Drogenhandel in die Schlagzeilen geraten.
Seit 1964 tobt in dem südamerikanischen Land ein Bürgerkrieg. Bei den Kämpfen zwischen rechten Paramilitärs, linken Rebellen und der Armee wurden mehr als 200.000 Menschen getötet, unter ihnen unzählige Zivilisten. Jährlich werden im Durchschnitt 3000 Menschen entführt.
Dienstag 12. November 2002