Köln (AP) Am Tag nach den verheerenden Terroranschlägen in den USA haben die führenden Repräsentanten der beiden christlichen Kirchen in Deutschland am Mittwoch die US-Regierung zur Besonnenheit aufgerufen. Anderenfalls bestehe die Gefahr einer «Eskalation, von der niemand mehr weiß, wo sie endet», sagten der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann im Gespräch mit der Tageszeitung «Kölner Stadt-Anzeiger» (Donnerstagausgabe).
Gleichzeitig verurteilten beide die Gewalttaten als «Attentat auf das Wohl der Menschheit». Dennoch appellierte Lehmann an die US-Regierung, «sehr beherrscht» vorzugehen. Zugleich hoffe er, dass «die wirklich Schuldigen» gegriffen würden. Religiöse Fanatiker und Fundamentalisten, die als Drahtzieher der Anschläge vermutet werden, können nach Ansicht von Lehmann für ihre Taten nicht den Namen Gottes beanspruchen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz räumte ein, es gebe sehr viel Missbrauch und auch die Schwäche der Religionen, sich in Extreme treiben zu lassen.
Nach Einschätzung von Kock macht der Fundamentalismus «die Zerbrechlichkeit der Welt besonders deutlich». Wenn Menschen ihre persönliche Glaubenswelt ins Extreme übersteigern, führe das zum Gegenteil dessen, was Glaube bedeutet, mahnte der EKD-Ratsvorsitzende. Diese «Gefahr der Perversion» berge jede Religion in sich, mahnte auch Lehmann.
Quelle: Yahoo! Deutschland, Mittwoch 12. September 2001