Klare
Regeln für Migranten
Viele Migranten wollen von der Gesellschaft, von den
Deutschen und von den Behörden in Ruhe
gelassen werden, um nach ihren Traditionen und religiösen Vorstellungen leben
zu können. Aber es sind gerade diese archaischen Traditionen, die einem freien
Leben im Wege stehen. Kinder von Migranten sind Kinder dieser Gesellschaft,
ihre Not und ihr Scheitern trifft uns alle. Den Söhnen fehlt oft der Mut und
auch die Perspektive, sich aus den Verstrickungen der Tradition zu lösen. Dabei
müssen wir ihnen helfen. Und das fängt mit ganz einfachen Dingen an:
Jedes Kind muss
vor Gewalt geschützt werden.
Körperliche Züchtigung ist in Deutschland verboten und muss geahndet
werden. Wer Kindesmisshandlung nicht anzeigt, macht sich unterlassener
Hilfeleistung schuldig. Gewalt gegenüber Kindern und Frauen ist, so zeigen
Untersuchungen, unter Migranten ein häufig auftretendes Problem. Kinderärzte,
Kindergarten und Schulen müssen darüber gezielte Aufklarung unter Eltern, Schülern
und Lehrern betreiben, und sie sollten jede Möglichkeit der Kontrolle zum
Schutz der Kinder wahrnehmen. Beschneidung ohne medizinische Indikation ist
eine Körperverletzung und nicht zulässig.
weder gegen Migranten
noch von ihnen. Schulen sollten entsprechende Schulverfassungen formulieren,
auf die sich alle Beteiligten verpflichten. Besonders Jugendliche sollten durch
Kampagnen über ihre Rechte informiert werden. Es muss verhindert werden, dass
16-jahrige Schülerinnen in den Sommerferien in der Türkei gegen ihren Willen
verheiratet werden und aus Deutschland verschwinden.
Die Schule ist
generell als deutscher Sprach- und Kulturraum zu begreifen;
es wird Wert darauf
gelegt, dass wahrend der Schulzeit, auch auf dem Schulgelände, Deutsch
gesprochen wird. Die Migrantenkinder haben oft keinen anderen Ort als die
Schule, um die deutsche Sprache zu sprechen und die deutsche Kultur kennen zu
lernen. Ziel ist es, möglichst früh sprachliche Defizite abzubauen und Deutsch
als Umgangssprache der Kinder zu etablieren. Gute Deutschkenntnisse sind
Voraussetzung für einen Schul- und Integrationserfolg. In einer von Eltern,
Schülern und Lehrern gemeinsam beschlossenen Hausordnung einer überwiegend von Migrantenkindem
besuchten Schule im Berliner Stadtteil Wedding steht: »Die Schulsprache unserer
Schule ist Deutsch, die Amts Sprache der Bundesrepublik Deutschland. Jeder
Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur in dieser
Sprache zu verständigen.«
Kindergarten mit
Sprachforderung, Vorschule und Sprachtests werden vom fünften Lebensjahr an
obligatorisch; Sexualkunde-, Schwimm- und Sport- unterricht sind
Regelunterricht. Eine Befreiung aus religiösen Gründen wird abgelehnt. Die Schule
muss als »Integrationsagentur« verstanden werden, die die Kinder auf ein
selbstbestimmtes Leben in dieser Gesellschaft vorbereiten soll.
Jede Frau, jeder Mann muss das Recht haben, selbst zu entscheiden, ob sie oder er heiraten will wann und wen.
Um Zwangsehen
zumindest zu erschweren, wird eine Familienzusammenführung erst vom 21.
Lebensjahr an zugelassen. Es wird verstärkt darüber aufgeklärt, welche
Gesundheitsrisiken Ehen zwischen Cousin und Cousine für die Nachkommen haben.
Elternschulen unterrichten Väter und Mütter in der Kinderpflege und -erziehung.
Schwangerschafts- und Babykurse sol1en junge Migrantenmütter und -väter auf die
Geburt vorbereiten.
Die Mehrehe wird
geächtet. In den Sozialversicherungssystemen werden entsprechende Regelungen geschaffen,
die eine Unterstutzung der Polygamie verhindern. Polygamie ist ein Grund, die
Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen.
Der organisierte Islam hat eine besondere Verantwortung für die Integration.
Auch an ihn sind
Forderungen zu richten:
-
Koranschulen
müssen ihr Programm und ihr pädagogisches Konzept öffentlicher Kontrolle
zugänglich machen;
-
Unterricht und
Predigten müssen in deutscher Sprache erfolgen;
-
Männern und
Frauen ist gleichberechtigter Zutritt zu allen Veranstaltungen zu gewähren;
-
die Betreiber
von Moscheen haben ihre Satzung und ihre Finanzen offen zu legen;
-
Moscheevereine
verpflichten sich, ein Angebot für Sprachförderung anzubieten;
-
Hodschas haben
neben Sprachkenntnissen auch Kenntnisse in Landes- und Gesetzeskunde
nachzuweisen.
Ich plädiere für
diese klaren Regeln, statt die Integrationspolitik weiterhin dem Zufall zu
überlassen -wohl wissend, dass die politischen Vertreter der
Migrantenorganisationen und ihre Freunde diese Vorschläge mit Entrüstung zur
Kenntnis nehmen werden und sich gegen jeden »Generalverdacht« und gegen jede
»Gängelung« der Muslime und Migranten wehren werden. Aber ich bin davon
Überzeugt, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, wenn wir die Söhne und Töchter der Migranten nicht verlieren
wollen. Wir brauchen ihre Talente und Tatkraft für unsere gemeinsame Zukunft.
Nach: NECLA KELEK
NECLA KELEK steht seit einigen Wochen im Mittelpunkt einer scharfen Debatte über Immigranten in Deutschland. Nachdem sie in ihrem Bestseller »Die fremde Braut« die Zwangsehe angeprangert hatte. kritisierten Migrationsforscher in einem offenen Brief (ZEIT Nr. 6/06) Keleks Methoden als »unwissenschaftlich« und deren öffentliche Wirkung als »besorgniserregend«. In diesen Tagen erscheint nun das neue Buch der 1957 in Istanbul geborenen Soziologin. Unter dem Titel »Die verlorenen Söhne. Plädoyer für die Befreiung des türkisch- muslimischen Mannes« (Kiepenheuer & Witsch. Köln 224 S..18,90 Euro) porträtiert Kelek türkisch-deutsche Vater, Söhne und Brüder.
nach: DIE ZEIT, 9.3.06, S. 63, Heimat ja bitte