"Öffnet die Bischofssynode und öffnet eure Herzen für die Sorgen der Katholiken"

Katholische Reformkräfte eröffnen Schattensynode in Rom

Rom, Italien. Katholische Gruppen aus aller Welt trafen sich heute in Rom und drängten Beamte des Vatikan, die derzeit tagende Bischofssynode für die Beiträge und Sorgen aller Katholikinnen und Katholiken zu öffnen. Während einer Pressekonferenz, die ein paralleles Treffen, das von Reformkatholiken den Spitznamen "Schattensynode des Volkes" erhalten hat, eröffnete, veröffentlichten katholische Organisatorinnen und Organisatoren einen Brief, der vergangenen Woche an Kardinal Schotte, den Generalsekretär der Bischofssynode, gesandt wurde und der ihre Bedenken und Forderungen für einen sinnvollen Dialog mit der Kirchenhierarchie über die Zukunft des Glaubens erörtert. Gleichzeitig haben die Organisatorinnen und Organisatoren die Bischöfe eingeladen, an der Schattensynode teilzunehmen.

Die "Kirchenvolks-Synode" ("Synod of the People of God", SOPOG), die verschiedenste katholische Stimmen aus aller Welt vertritt, trifft sich diese Woche, um die Rolle und Arbeit des Diözesanbischofs zu diskutieren, die gegenwärtige Situation der römisch-katholischen Kirche einer Einschätzung zu unterziehen und Ziele für die Zukunft zu setzen. Die Schattensynode besteht aus einer Reihe von Treffen zwischen mehr als 50 Katholikinnen und Katholiken aus aller Welt, einschliesslich Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien, vom 4. bis 7. Oktober 2001. Mehr als 300 katholische Gruppen und Netzwerke weltweit haben dieser Volkssynode ihre Unterstützung gegeben. Es wird erwartet, dass die Schattensynode zu substantiellen Reformen in der katholischen Kirche, die neustes theologisches Gedankengut in betracht ziehen, aufruft. Sie findet parallel zu einem Treffen bzw. einer Synode von Bischöfen aus aller Welt statt, das für die Teilnahme von Laien nicht zugänglich ist und das, so die Reformgruppen, die schwerwiegenden Probleme in der Kirche heute nicht diskutiert. Die Bischofssynode begann am 30. September und geht bis zum 27. Oktober.

Leiterinnen und Leiter der Schattensynode betonten, dass alle Mitglieder der Kirche das Gottesvolk ausmachten und alle Stimmen gleichermassen wichtig seien. "Freiheit theologischer Debatte innerhalb der katholischen Kirche ist sowohl ein Ergebnis als auch eine Bedingung der guten Nachricht Jesu Christi, wie sie in der Bibel zu lesen ist" erklärten Vertreterinnen und Vertreter der Synode. Zu den wichtigsten Unterstützern der Synode gehören das Europäische Netzwerk Kirche im Aufbruch und die Internationale Bewegung Wir sind Kirche.

Valerie Stroud, Generalsekretärin der Schattensynode und Mitglied von We are Church Grossbritannien, sagte: "Den Führungsstil, den wir jetzt vom Vatikan erfahren ist einer, den man mehr mit einem gesichtslosen multinationalen Unternehmen in Verbindung bringen würde als mit dem, was wir sein sollen, eine Gottesfamilie." Stroud weiter: "Der deutliche Grund, warum aus aller Welt Katholikinnen und Katholiken hierher kommen ist, dass wir diese Kirche innig lieben und äusserst besorgt um ihre Zukunft sind. Studien über katholischen Meinungen an Orten so weit verstreut wie Irland, Italien, Mexiko, den Philippinen und den Vereinigten Staaten zeigen deutlich eine steigende Unzufriedenheit mit der Art von Kirchenleitung, die wir haben. Unsere Botschaft an die Bischöfe ist klar: In unserer Kirche muss sich etwas verändern und wir wollen mit euch an der Veränderung arbeiten. Wir stehen hier als katholische Laien, bereit, sowohl die Belastung als auch die Verantwortung zu tragen um sicherzustellen, dass unsere Kirche eine Zukunft hat. Bitte trefft euch mit uns."

Elfriede Harth, eine Sprecherin für die Internationale Bewegung We Are Church, sagte: "Die Bischofssynode soll während dieses Monats in Rom die Rolle des Bischofs diskutieren und Themen angehen, die der Zukunft unserer Kirche entgegentreten. Es ist ein schwerwiegender Fehler der Hierarchie zu denken, dass sie eine kenntnisreiche Diskussion führen kann, während die Menschen an der Basis, die am meisten von den Entscheidungen, die diskutiert werden betroffen sind, ausgeschlossen, zum Schweigen gebracht und von ihrem Treffen ausgesperrt sind. Es ist unumgänglich, dass die Hierarchie unserer Kirche die Türen der Bischofssynode und ihre Herzen öffnet für die Sorgen der gewöhnlichen Katholiken aus aller Welt. Die Hierarchie muss ein inklusiveres Modell der Regierungsform annehmen, wenn sie das Vertrauen und den Respekt so vieler gläubiger Katholikinnen und Katholiken wiedergewinnen will, die sich durch die hochrangigen Entscheidungen der Kirchenführung entfremdet fühlen, die es immer wieder verfehlt, die Realität ausserhalb der Kirchenhierarchie in Betracht zu ziehen."

Christian Weisner, Sprecher der Schattensynode und Mitglied von Wir sind Kirche Deutschland sagte, dass Katholikinnen und Katholiken mutig genug werden, auszusprechen und der Hierarchie mitzuteilen, was heute in der Kirche falsch ist, statt deprimiert in den Kirchenbänken zu sitzen oder die Kirchenbesuche aus Unzufriedenheit ganz aufzugeben. Weisner sagte: "Was hier unter progressiven Katholikinnen und Katholiken passiert, ist neu. Lange Zeit haben an wir einer Reformkirche teilgenommen und sie in unseren Basisgemeinden in Afrika, Europa, Asien und Nord- und Südamerika gelebt. Dank Internet haben Reformkatholiken weltweit aus dem Norden und aus dem Süden einen aktiven Dialog miteinander gehalten. Auch wenn unsere persönlichen Umstände unterschiedlich sein mögen haben wir entdeckt, dass wir dieselben Sorgen teilen, dieselbe Frustration und dieselbe Vision einer reformierten und erneuerten Kirche. Heute gehen wir einen ersten und bedeutenden Schritt, indem wir diese Stimmen nach Rom bringen weil wir erkennen dass, wenn die Politik der Kirche verändert werden soll, wir sichergehen müssen dass die Hierarchie hört, was wir zu sagen haben."

Über die möglichen Auswirkungen dieser Aktion sagte Weisner: "Während es zweifellos jene in der Hierarchie gibt die uns gerne in die verschlossene Kirche der Tage vor dem 2. Vatikanum zurückbringen würden, wissen wir dass es viele Bischöfe gibt, die beides teilen, unsere Sorgen und unsere Vision einer inklusiveren und fröhlicheren Kirche. Wir wissen, dass die Diskussionen die wir haben werden von vielen willkommen geheissen werden und wir beabsichtigen, die Früchte unserer Überlegungen auf der Kirchenvolks-Synode mit dem Papst und den Bischöfen zu teilen. Wir haben einen Beitrag zu leisten und wir sind hier um sicherzustellen, dass die Hierarchie ihn hört. Dies ist der Beginn einer neuen Aktionsphase für progressive Katholikinnen und Katholiken weltweit. Es ist der Beginn einer neuen Ära. Wir haben unsere Stimme gefunden."

Teilnehmende der Kirchenvolks-Synode werden die Struktur und Teilnahme von Katholikinnen und Katholiken im Treffen von Entscheidungen, der Rolle und den Verantwortlichkeiten der Bischöfe, der Stellung von Frauen in der Kirche, der Zukunft der Kirche und Ökumene diskutieren. Reformkatholikinnen und -katholiken haben der Hierarchie in einer Reihe von Themen, wie der Notwendigkeit eines amtlich geweihten Priestertums, dem Verbot der Frauenordination, dem Verbot von Scheidung und Verhütung und dem Ausschluss von katholischen Stimmen vom Treffen von Entscheidungen der Kirche, widersprochen.

Im Brief an Kardinal Schotte verlangen Organisatorinnen und Organisatoren ein Treffen mit den Bischöfen, wenn sie schreiben: "Während wir wissen, dass es in der Hierarchie solche gibt die sagen, dass die Kirche keine Demokratie sei sagen wir, dass es genauso wenig eine absolutistische Monarchie oder eine Diktatur ist, ganz gleich wie freundlich. Wir glauben aufrichtig, dass Katholikinnen und Katholiken durch ihre Lebenserfahrung viel anzubieten haben um die Diskussionen, die unsere bischöflichen Brüder haben werden, zu unterrichten. Die Welt hat sich stark verändert und manchmal bringt Veränderung, obwohl sie schwierig sein kann, neues Leben, Energie und Hoffnung mit sich. Es gibt keinen Grund warum die von Menschen gemachten Seiten des Lebens der Kirche sich nicht verändern können, um sich an neue Realitäten anzupassen. Wir erwarten ihren Ruf."

Zum Schluss der Schattensynode am Sonntag, den 7. Oktober, werden die Teilnehmenden ein Schluss SOPOG 2001 Dokument zusammenstellen, dass den Bischöfen übergeben, mit den Medien geteilt und unter Katholiken weltweit verbreitet werden wird.

5.10.01

Quelle: www.katholisch-kirche.de