Kirchenabriss
im Bistum Limburg?
Katholische Kirche in Wiesbaden - Bierstadt könnte wegen hoher
Unterhaltskosten abgerissen werden
Die 1939 errichtete Kirche St.
Birgid in Bierstadt wird womöglich abgerissen. Die Unterhaltskosten sind dem
Bistum Limburg zu teuer. Zur Debatte steht der Neubau eines kleineren
Gemeindezentrums mit sakralem Raum.
Von
Barbara Yurtöven
Im März 2007 wird die katholische
Kirchengemeinde St. Birgid in Bierstadt 100 Jahre alt. Und an einigen Stellen
innerhalb der Gemeinde wurde auch schon mit den Planungen und ersten
Vorbereitungen für ein würdiges Geburtstagsfest begonnen. Seit dem vergangenen
Sonntag werden nun alle Planungen von der Nachricht überschattet, dass im
Rahmen der Einsparmaßnahmen bei Kirchen und Gemeindehäusern im Bistum Limburg
auch ein Abriss der St. Birgid-Kirche zur Debatte steht.
Die "schockierende
Botschaft", so Gemeindepfarrer
Bierstadt Matthias Struth,
überbrachte er seiner Gemeinde persönlich auf einer eigens einberufenen
Gemeindeversammlung. Mit Betroffenheit und Unverständnis reagierten viele
Anwesende, einige aber auch mit Zuversicht: "Vielleicht ist das auch eine
Chance für die Gemeinde", bemerkte ein Gemeindemitglied und wurde dafür
mit Applaus bedacht.
"Der Abriss ist nur eine von
mehreren Möglichkeiten", betont Struth, "und dieser Vorschlag liegt
auch darin begründet, dass in den kommenden Jahren mit einigen Investitionen in
bauliche Maßnahmen zum Erhalt des Gebäudes gerechnet werden muss."
Auch wenn die Gemeinde schon fast
100 Jahre alt ist, so steht die Kirche selbst erst seit 1939. Zuerst noch mit
Giebeldach auf Turm und Kirchenschiff und in kleinerer Dimension, seit dem
Umbau und der Erweiterung im Jahr 1963 mit flachen Dächern - so wie man sie
heute kennt.
Die Pfarrkirche ist 753 Quadratmeter
groß und die Gemeinderäume umfassen zusätzlich 450 Quadratmeter. Zu
überdimensioniert für die gesunkene Zahl an Gemeindemitgliedern (3 351
Katholiken), meint Limburg und schlägt seinerseits ein Gemeindezentrum mit
integriertem Sakralraum und insgesamt 450 Quadratmetern als ausreichend vor.
"Das muss man nicht von vornherein ablehnen", konstatiert Struth.
"Ein Neubau, ebenerdig, hell und vollständig behindertengerecht kann der
Gemeinde ganz neue Möglichkeiten bieten."
Schließt sich die Gemeinde dem
Vorschlag an, so trägt das Bistum die Kosten für Abriss und Neubau, spart so
aber langfristig die jährlichen Unterhaltskosten für die etwa 800 Quadratmeter.
Der Standort Bierstadt, so betont
das Bistum, soll ebenso wie die Nachbargemeinden im Pastoralen Raum, Herz Jesu
Sonnenberg und St. Elisabeth Auringen, auf jeden Fall dauerhaft erhalten
bleiben.
Neben Abriss und Neubau gibt es
derzeit noch drei weitere Möglichkeiten: Die Gemeinde verzichtet auf einen
Neubau, erhält aber aus Limburg nur noch Finanzmittel für lediglich 450
Quadratmeter. Die Finanzierung der restlichen 800 Quadratmeter müssten aus
alternativen Quellen bestritten werden.
Eine weitere Möglichkeit: Statt des
Neubaus entwickelt die Gemeinde einen Rückbau von Pfarrkirche und
Gemeinderäumen auf die vorgegeben Quadratmeterzahlen.
Als dritte Alternative bleibt die
Ablehnung der Sparvorschläge und die Rückgabe in den Pastoralen Raum zur
Überlegung, wie eine andere Aufteilung der notwendigen Sparsumme herbeigeführt
werden kann.
Bis zum 30. Juni haben die Gemeinde
und ihre Gremien nun Zeit über die unterschiedlichen Vorschläge zu beraten oder
selber Alternativen vorzuschlagen. Der Vorstand des Pfarrgemeinderates plant
Arbeitsgruppen aus interessierten Gemeindemitgliedern zu bilden, die
verschiedene Konzepte ausarbeiten sollen. Drei Architekten aus Reihen der
Gemeinde haben bislang schon ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert. Im
Frühjahr sollen alle Ideen in einer weiteren Versammlung der Gemeinde
vorgestellt werden.
Wiesbadener Kurier, 19.01.2006
Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/objekt.php3?artikel_id=2225176
Kirchenabriss
oder Verkauf kein Einzelfall?
Im Bistum Limburg ist es allgemein bekannt, dass ab dem 1.1.2007 viele gemeindliche Immobilien aus der finanziellen Schlüsselzuweisung des Bistums herausgenommen werden ("Sparen und Erneuern"). Wie aus gut unterrichteten Kreisen berichtet wird, betreffe das eine Menge von Kirchengebäuden. Es gäbe allerdings Abstufung, dass manchen Gemeinden für ihre Kirchen die laufenden Kosten (Heizung etc.) gestrichen werden, anderen auch die Kosten für den Bauunterhalt. Dass wird darauf hinauslaufen, dass etliche Gemeinden ihre Kirchengebäude nicht mehr werden nutzen können.
Problematisch wird es zusätzlich in den relativ häufigen Fällen, in denen Kirchen unter Denkmalschutz stehen und deshalb nicht abgerissen werden dürfen. In diesen Fällen garantiert das Bistum dann nur noch die Bausicherheit ("Fach und Dach"), damit keinem Passanten Ziegel auf den Kopf fallen. In welchen Gemeinden tatsächlich Kirchen abgerissen und die Grundstücke verkauft werden, ist derzeit noch offen. Der Bischof von Limburg favorisiert für diese Fälle eindeutig den Abriss und Grundstücksverkauf vor einem Verkauf und anderweitiger Nutzung der Kirchengebäude.
Drückt
sich der Bischof vor der Verantwortung für den Kirchenabriss?
In manchen Gemeinden wird eine Entscheidung zwischen mehreren zur Verfügung stehenden Kirchen zu fällen sein. Den Gemeinde "steht es aber natürlich frei", die notwendigen Mittel zum Unterhalt anders aufzubringen als aus Schlüsselzuweisungen des Bistums - und sie so zu erhalten. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass das Bistum den Geldhahn drastisch drosselt, sich aber formal nicht zur Entscheidungsinstanz über den Verkauf/Abriss/die Schließung von Kirchengebäuden macht, sondern diese Entscheidung "großherzig" den entscheidungsbefugten Verwaltungsräten vor Ort übergibt ("Wir - das Bistum - sind ja nicht die Eigentümer der Kirchen!!").
Für diese Einschätzungen sprechen Veröffentlichungen des Bistums:
Sparen und Erneuen - Vorschlag der Dezernentenkonferenz zu
Einsparung von
weiteren 14 Mio EURO
http://www.bistumlimburg.de/index.php?page=000-009-001-000&eid=14732&letter=S
Diözesankirchensteuerrat verabschiedet Sparplan
http://www.bistumlimburg.de/media/download/bf5a578b5175c81807a122da9b4be127.pdf
Gespart wird vor allem beim Bauunterhalt, der Pastorale Raum entscheidet,
was erhalten und behalten wird und was nicht..
http://www.bistumlimburg.de/index.php?page=000-009-001-000&eid=15507&letter=S
Deshalb könnte es auch schwer werden, nach einer fertigen Liste der Kirchen zu suchen, die verkauft werden sollen. Das Bistum könnte sagen: "wir wissen nicht, ob Kirchen verkauft werden, das ist Entscheidungsmaterie der Gemeinden, wir können nur bestimmte finanzielle Mittel nicht mehr zur Verfügung stellen". Bestenfalls könnte es eine Liste geben, welche Kirchengebäude aus welcher Art von Schlüsselzuweisung herausgenommen werden.
20.1.06
H-A Link