Kirchen kritisieren Ausweitung der Sonntagsarbeit

 

Frankfurt/Main (AP) Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben die Ausweitung der

Sonntagsarbeit scharf kritisiert. Damit würden uralte Werte preisgegeben, erklärten der

Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber,

und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in AP-

Interviews. Die EKD prüft in Abstimmung und im Austausch mit der katholischen Kirche

eine Verfassungsbeschwerde, wie Huber sagte. Lehmann kritisierte vor allem konservative

Gruppen und Parteien.

 

Die neuen Regelungen seien nicht durchdacht und auch nicht vereinbar

mit dem besonderen Schutz der Sonn- und Feiertage, wie er aus gutem Grund im Grundgesetz

stehe, sagte Huber. Der Sonntag sei «ein kostbares Kulturgut als Tag der Arbeitsruhe und des

Gottesdienstes, der Besinnung und der Gemeinschaft und dabei insbesondere als Tag der

Familie», meinte der EKD-Vorsitzende Huber.

 

«Überall sucht man heute nach beständigen Werten. Hier sind Jahrhunderte alte, Jahrtausende

alte Werte, die relativ leicht preisgegeben werden», sagte der Mainzer Erzbischof Lehmann.

Die Kirche sei grundlegend verpflichtet, auf schädliche Folgen bei der Sonntagsarbeit aufmerksam

zu machen. «Das eigentlich Absurde ist, dass sich auch konservative und wertbewusste

Gruppierungen und Parteien nicht scheuen, sich an dieser Zerstörung des Sonntags zu beteiligen»,

sagte Lehmann. Letztlich werde jedoch der Kunde entscheiden, ob ein echter Bedarf da sei, zu

bestimmten Zeiten einkaufen zu gehen.

 

Bei der Lockerung der Ladenöffnungszeiten kritisierte der Vorsitzende der Bischofskonferenz

besonders die Regelungen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die den Sonntag besonders

stark tangierten. Auf evangelischer und katholischer Seite bestünden gemeinsame Überlegungen,

ob da unter Umständen eine Verfassungsklage möglich und notwendig werde. Die Prüfung sei

aber noch nicht abgeschlossen. Der Sonntag sei natürlich auch dann gefährdet, wenn Verkäufer

am Samstag bis Mitternacht arbeiten müssten und dann noch die halbe Nacht brauchten, um

nach Hause zu kommen.

 

Für ihn komme es in der Debatte auf die Sonntagskultur im Ganzen an: «Das bedeutet, dass

eine Zeit da ist, in der man sehr viel mehr zur Verfügung steht für den Nächsten, für die

Familienangehörigen, für die Freunde. Es kommt auf ein Zusammenspiel an, in dem der

Gottesdienst am Sonntag ein Teil der Besinnung ist», betonte Lehmann. Trotz aller

Bemühungen in der Geschichte, den Sonntag in seiner geprägten Form abzuschaffen, habe

sich der Rhythmus von sieben Tagen in der Geschichte immer wieder durchgesetzt.

 

3.1.07

Quelle: http://de.news.yahoo.com/03012007/12/kirchen-kritisieren-ausweitung-sonntagsarbeit-erste-zusammenfassung.html