Kirchen
fordern Nachbesserungen bei Hartz IV
Berlin (AP) Die Kirchen haben sich
grundsätzlich für Arbeitsmarktreformen zur Absicherung des Sozialstaates
ausgesprochen, in Einzelpunkten jedoch Nachbesserungen gefordert. Der Vorsitzende
der katholischen deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, sagte,
Strukturfehler und «nicht voraussehbare Benachteiligungen größeren Ausmaßes»
müssten rasch korrigiert werden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche
in Deutschland, Wolfgang Huber, verlangte besseren Schutz für private
Altersvorsorge.
Lehmann warnte in «Bild am Sonntag»
vor Blockade, Reformverweigerung und Panikmache. Er forderte zugleich die
Politik auf, den Menschen die Reformen ausreichend zu erklären. Aufklärung,
Beratung und Hilfe seien jetzt notwendig. Ein Prüfstein der Reformgesetze werde
sein, «ob durch sie Arbeitsuchende, vor allem Langzeitarbeitslose und gering
Qualifizierte in den Arbeitsmarkt integriert werden», sagte der Kardinal.
Huber sagte dem Hamburger Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel», ein «gewisser Abstieg» bei den Betroffenen sei unvermeidlich,
wenn man steuerfinanzierte Absicherungen überhaupt wolle. Nachbesserungen
beispielsweise bei der Altersvorsorge seien dennoch notwendig. «Wenn wir
fordern, dass Menschen für ihre Alter Vorsorge treffen, dann muss man spüren
können, dass diese Ermunterung, die da über Jahr und Tag unter dem Stichwort
Riester-Rente ausgesprochen wurde, wirklich ernst genommen wird.»
Auch bei den 400-Euro-Jobs solle
sich die Regierung großzügiger zeigen, erklärte der Bischof. Derzeit dürften
Arbeitslose aus solchen Beschäftigungsverhältnissen nur 60 Euro behalten. Er
ließ Zweifel erkennen, ob solche Regelungen zum Erhalt von Arbeitsfähigkeit-
und -bereitschaft beitrügen.
15. August 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/040815/12/45y96.html