Kirche in Frankreich – Krise in nie gekanntem Ausmaß

 

Die katholische französische Tageszeitung La Croix vom 28-05-2004 schreibt unter dem Titel: "Die 7 Herausforderungen der französischen Kirche", dass die Kirche sich offen bekennen sollte, dass sie eine Krise nie gekannten Ausmaßes durchlebt.

 

Der Priestermangel hat schon lange zu schaffen gemacht, aber in 10 Jahren wird die Zahl der arbeitsfähigen Priester bis auf ein Drittel zurückgeschrumpft sein. Die Gemeinden hätten sich zwar seit 20 Jahren auf eine Umstellung vorbereitet, aber tief greifende Veränderungen stünden noch bevor für die nächsten Jahre. Die Kirche sähe sich auch einer kulturellen Herausforderung konfrontiert: es ginge um ihre gesellschaftliche Präsenz schlechthin.

 

1. Die Krise bei ihrem Namen nennen

Nicht nur gibt es gravierenden Priestermangel. Die finanzielle Armut der französischen Kirche lässt es auch nicht zu, bezahlte Laienhauptamtliche einzustellen. Das ehrenamtliche Engagement stößt an seine Grenzen. Aber die Kirche hat es schon immer verstanden, sich mit ganz geringen Mitteln durchzuschlagen.

 

2. Auf den Glauben zählen

Zwei Forderungen werden laut: Spiritualität und Glaubensweitergabe. Die neuen Bewegungen sind spirituell, aber die sozial engagierten Organisationen und die Pfarreien sind auf der Suche nach spiritueller Nahrung. Die Diözesen versuchen, darauf zu antworten. Die französische Kirche bereitet auch eine grundlegende Reform der Katechese vor.

 

3. Energien mobilisieren

Es müssen Aufgaben neu verteilt und für den Laiennachwuchs gesorgt werden… doch die Jugend wendet sich ab. Die Institution denkt nicht an eine Reform der Weiheämter, es werden lieber Umverteilungen vorgenommen. Frauen müssen eine größere Verantwortung und Entscheidungsbefugnis übernehmen dürfen.

 

4. Anders feiern

Wer soll in zehn Jahren noch die Eucharistie feiern? In den kommenden Jahren werden spektakuläre Entwicklungen stattfinden.

 

5. In die Intelligenz investieren

«Glaube und Vernunft» ist der Titel einer Enzyklika. Aber die Kirche wird dem nicht gerecht. Der Nachwuchsmangel an katholischen Intellektuellen ist beunruhigend. Die mangelnde Förderung des Denkens und der Theologie könnte eine bedrohliche Leere für die Fruchtbarkeit des Christentums in der Gesellschaft hinterlassen.

 

6. In der Gesellschaft existieren.

Die Kirche in Frankreich bereitet sich darauf vor « global zu denken », statt Nabelschau zu betreiben, um nicht zu einer Minderheitsgemeinschaft zu werden. Mit weniger Mitteln muss eine kirchliche Sichtbarkeit ermöglicht werden. Aber die menschlichen Ressourcen sind so gering, dass sie möglicherweise aufgebraucht werden für den Dienst nach innen.

 

7. Der Glaubensmarkt

Die französische Kirche sieht sich drei externen Herausforderungen ausgesetzt:: der demographische und institutionelle Aufstieg des Islams hat auf politischer Ebene das Verhältnis des Staates zur Kirche und auch ihr gesellschaftliche Ansehen verändert, das Bild eines Abstiegs wird dadurch immer deutlicher. Auf spiritueller Ebene lassen sich die urbaneren und gebildeten Schichten vom Buddhismus verführen. Sie kennen die buddhistische Spiritualität weitaus besser als die christliche. Auf kultureller Ebene macht sich ein neuer Laizismus breit, durch die Exzesse eines bestimmten Islams aufgeheizt, der die strikte Entfernung aller Religionen aus dem gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Feld fordert.

 

 

Quelle:

"Elfriede Harth" < eharth@catholicsforchoice.org >

An: <ikvu@domeus.de>

Betreff: [IKvu] Pfingstbilanz der Kirche Frankreichs

Datum: Freitag, 28. Mai 2004 19:04