Kirche für Jugendliche eine "hoch abschreckende" Organisation

 

Bischöfe suchen neues Konzept für den Umgang mit Jüngeren

 

Kardinal Lehmann sieht Medienphänomen wie Jugendtag skeptisch

Das problematische Verhältnis von Jugend und Kirche steht im Zentrum der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Die seit Montag in Berlin tagenden katholischen Bischöfe suchen neue Perspektiven für die Jugendarbeit.

Frankfurt a. M. · Der Schwung des Weltjugendtages, der im vergangenen Jahr rund eine Million junger Menschen aus der ganzen Welt nach Köln lockte, soll nach dem Willen der deutschen Bischöfe in neue Konzepte und Angebote münden. Allerdings wird der Erfolg derartiger Großveranstaltungen durchaus zwiespältig gesehen.

Zwar hat sich vor allem 2005, im Jahr des medienwirksamen Sterbens von Papst Johannes Paul II. und des Weltjugendtreffens, die Zahl der Kirchenaustritte verringert, die der Wiedereintritte ist laut DBK sogar deutlich gestiegen. "Aber wir wissen auch, dass diese neuen religiösen Phänomene zwitterhaft sind, Momentaufnahmen darstellen und sehr widersprüchlich sein können", sagte der DBK-Vorsitzende Kardinal Karl Lehmann am Montag in seiner Eröffnungspredigt. "Wir werden uns also nicht modisch solchen Trends anhängen", sagte der Mainzer Bischof laut vorab verbreitetem Redetext weiter. Er schränkte aber ein, man wolle sie "sorgfältig beobachten und die Menschen auf dieser Suche begleiten". Wie das konkret aussehen könnte, wollen am Mittwoch im Rahmen eines Studientages bei der DBK-Vollversammlung Wissenschaftler und Vertreter von Verbänden herausfinden.

"Moderatorenrolle stärken"


In ihren "Leitlinien zur Jugendpastoral" legten die deutschen Bischöfe 1991 fest, was das Ziel der katholischen Jugendarbeit sein soll: "Identitätsfindung begleiten, Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der Beziehungsfähigkeit zu fördern" sowie "zum verantworteten Mitgestalten von Kirche, Welt und demokratischer Gesellschaft" zu ermutigen.

15 Jahre später muss sich die Kirche mit dem Phänomen auseinander setzen, dass Jugendliche offenbar verstärkt nach einem Lebenssinn suchen, diesen aber ganz überwiegend nicht in der Kirche sehen. Diese stelle für viele eine "hoch abschreckende" Organisation dar, formulierte der Sozialforscher Richard Münchmeier, Co-Autor der Shell-Studie, bei einer Tagung im vergangen Jahr. Er betonte aber, dass die Reichweite der kirchlichen Jugendarbeit drei Mal größer sei als die der Gottesdienste. Nicht der sonntägliche Ritus, sondern die Gemeinschafts- und Sinnerfahrung zähle für die Jugendlichen.

Da setzt auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an. Ihr Bundesvorsitzender Dirk Tänzler will die "Moderatorenrolle zwischen Kirche und Jugend" gestärkt sehen. Der Weltjugendtag habe gezeigt, dass das große Engagement der Verbände eine Stärke der Kirchenarbeit gerade in Deutschland sei. Diözesen dürften nicht länger überdurchschnittlich viel bei den Jugendlichen sparen, appellierte er im FR-Gespräch: "Kirche hat der Jugend etwas zu sagen." Nun müssten neue Wege gefunden werden, den abgerissenen Gesprächsfaden wieder anzuknüpfen. Sabine Hamacher


7.3.06

nach Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=820765&