Kirche fordert Erhalt der Opel Arbeitsplätze

 

Statement von Weihbischof Franz Grave wärend der Opel-Kundgebung

Arbeit gehört zum Leben! Wenn dem Menschen Arbeit fehlt, verliert er den Boden unter den Füßen, es überfallen ihn Angst und Panik. Drohende Arbeitslosigkeit trifft den Menschen im Kern seiner Person. Mitbetroffen sind alle, für die er zu sorgen hat: Die Frau, der Mann, die Eltern, die Kinder!

Am vergangenen Sonntag bei meinem Besuch auf dem Opelgelände habe ich die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hautnah gespürt: Dort herrschte Ratlosigkeit, Enttäuschung, Zorn, aber auch Bereitschaft zum Kampf und der Wille zu einer starken Solidarität. In diesem solidarischen Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze möchte ich die Opelaner unterstützen und ihnen zurufen: Ich teile Eure Ängste! Eure Sorgen sind meine Sorgen! Mit Euch fordere und appelliere ich an die Verantwortlichen, alles zu tun, den Standort zu sichern und Arbeitsplätze in Bochum zu erhalten. Sanierungsprogramme mögen nach reiflicher Prüfung notwendig sein. Es gilt aber, was Papst Johannes Paul II bei seinem Besuch auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop 1987 gesagt hat: „Niemals jedoch dürfen dabei Arbeiter, die für viele Jahre ihr Bestes gegeben haben, die allein Leidtragenden sein!“ Mitbetroffen sind auch tausende Menschen in den Zulieferindustrien. Über der ganzen Region liegt in diesen Tagen ein dunkler Schatten, unter dem wir alle leiden.

Was können, was müssen wir im Blick auf eine realistische Zukunftsgestaltung tun? Ich meine es gut, wenn ich zur Besonnenheit und Mäßigung rate. Sie haben Zorn und Angst zum Ausdruck gebracht - zu Recht! Es ist aber mehr gefragt und erforderlich. Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft richten den Blick nach vorn, sind die Grundbedingung für Zukunftsgestaltung und Beweis für einen kooperativen Stil. Konstruktive Kritik und zähes Verhandeln schaffen Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten. Verweigerung führt auf die Verliererstraße. Diese klimatische Komponente halte ich für außerordentlich wichtig. Sie muß ergänzt werden durch einen verantwortlichen Sachbeitrag. Dazu gehört, daß die Belegschaft an die Arbeitsplätze zurückkehrt. Der gute Ruf der Bochumer Belegschaft darf nicht in Mißkredit geraten. Es muß klar bleiben: Diese Belegschaft ist das eigentliche Kapital. Wenn ein tragbarer, zukunftsorientierter Kompromiß herauskommen soll, kann die Bereitschaft zu Verzicht nicht fehlen. Er kann dann verbunden werden mit einer Art Beschäftigungs- und Standortgarantie. Gesprächsbereitschaft wird nicht nur von einer Seite erwartet. Gespräche kommen nur zustande, wenn die Gesprächspartner füreinander offen sind. Darum richte ich meinen Appell genauso an die Konzern-Spitze. Sir darf sich nicht verschließen!

Mit den Bochumer Opel-Werken verbindet die katholische Kirche des Bistums Essen ein ganz besonders intensiver Dialog in der gemeinsamen Sozialarbeit der Kirchen im Ruhrgebiet, die wir im Jahr 1971 gemeinsam aufgenommen haben. Ich weiß, daß die Frauen und Männer Vertrauen verdienen und zu Recht stolz sein können, auf das was sie geleistet haben. Ihre Produkte genießen ein hohes Ansehen in unserem Land, in Europa und in der ganzen Welt. Ich will gerne bekennen, daß ich immer noch ein begeisterter Opel-Fahrer bin! Glück auf!

19.10.04

Nach: http://www.katholisch.de/2315_6779.htm