Kirche: Umwidmung nicht zur Moschee und nicht zur Disko

Köln (AP) Überzählige katholische Kirchen in Deutschland dürfen weder als Moschee noch als Diskothek weitergenutzt werden. Genehm ist der katholischen Deutschen Bischofskonferenz dagegen eine eventuelle Nutzung als Museum, als Konzertsaal, eventuell auch noch als «ehrbares Gasthaus», wie der Kölner Kardinal Joachim Meisner am Montag bei der Vorlage entsprechender Richtlinien erläuterte.

Für etwa 100 von rund 20.000 katholischen Gotteshäusern in Deutschland wird nach Angaben der Kirche derzeit über eine neue Nutzung nachgedacht. Rückläufige Besucherzahlen in den Gottesdiensten, die Verlagerung der Wohnbevölkerung in die Außenbezirke der Städte, aber auch die sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer machen nach den Worten Meisners die Umnutzung von Kirchen zu einem Thema. Die Deutsche Bischofskonferenz hat deshalb eine Arbeitshilfe beschlossen, in der neben Kriterien für die Umnutzung auch ein Ritus für eine gegebenenfalls erforderliche «Profanierung», also die Aufhebung der Weihe, enthalten sind.

Die Arbeitshilfe zeigt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten auf. Zum Beispiel können zu groß gewordene Kirchen aufteilt und sowohl zum Gottesdienst als auch für Pfarrbüro, Pfarrsaal oder Jugendräume genutzt werden. In konkreten Fällen könnten dann aus dem Verkauf bisher für diese Zwecke genutzter Gebäude die Umbauten der Kirche bezahlt werden, sagte Meisner.

Positiv stehen die Bischöfe auch zu einer Nutzung für kulturelle Zwecke, zur Mitnutzung einer katholischen Kirche durch andere christliche Kirchen, eventuell auch zum Verkauf. Eine kultische Nutzung einer ehemaligen Kirche durch nicht-christliche Religionsgemeinschaften wie Islam, Buddhismus oder Sekten sei wegen der Symbolwirkung einer solchen Maßnahme nicht möglich, heißt es in der Richtlinie. Eine Umwidmung eines Kirche zur Moschee sei auch deshalb nicht vorstellbar, weil ein solcher Vorgang von den Muslimen als Zeichen der Glaubensunsicherheit bei den Christen angesehen würde, sagte Meisner.

Meisner und der Würzburger Professor Winfried Haunerland stellten ferner ein pastorales Schreiben der Bischofskonferenz zur Liturgie vor. Dazu soll am kommenden Sonntag auch ein Hirtenwort den von Kanzeln verlesen werden. 40 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wollen die deutschen Bischöfe «Hilfen zur Vertiefung, Verlebendigung und Erneuerung der tatsächlichen Feierpraxis» geben, sagte Haunerland. Es gehe in der in erster Linie an Priester und Diakone gerichteten Schrift nicht um konkrete Missstände, obwohl es diese gebe, sondern um eine «geistliche Erneuerung» und um die «Kunst, die heilige Messe zu zelebrieren», was eine ständige Sorge sei, erklärte Meisner.

Das Pastoralschreiben mit dem Titel «Mitte und Höhepunkt des ganzen Lebens der Christlichen Gemeinde - Impulse für eine lebendige Feier der Liturgie» stellt unter anderem die Notwendigkeit des Gebets für jeden Christen heraus. Es beschäftigt sich mit dem Gottesdienst und dessen Gestaltung, unterstreicht die hohe Bedeutung der Messfeier, merkt aber auch an, dass es andere Formen des Gottesdienstes geben könne und dürfe.

Es gebe «sehr gute Versuche mit 'Wort-Gottes-Feiern», wenn beispielsweise eine Gemeinde keinen Priester mehr habe, sagte Meisner. Es gehe darum, den Geist der Liturgie so zu wecken und zu pflegen, dass man sage: Das muss so sein. «Der Papst und der Ortsbischof müssen bei jedem Gottesdienst dabei sein können und sagen: Das hast Du gut gemacht», meinte der Kardinal.

17.11.03

Quelle: http://de.news.yahoo.com/031117/12/3raax.html