Verhalten der Kirche zu Schwangerschaftsabbruch bei vergewaltigtem Kind schlägt hohe Wellen
Rio de Janeiro (AP) Nach einem Schwangerschaftsabbruch bei einem vergewaltigten neunjährigen Mädchen in Brasilien hat die katholische Kirche die Mutter des Kindes und die beteiligten Ärzte exkommuniziert. Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva rügte am Freitag die Haltung der Kirche
Das Kind war vermutlich von seinem Stiefvater vergewaltigt worden. Es wurde mit Zwillingen schwanger. Die Schwangerschaft stellte nach Ansicht der Ärzte ein ernstes Risiko für das 36 Kilogramm schwere Mädchen dar.
Erzbischof José Cardoso Sobrinho verteidigte die Entscheidung zur Exkommunikation mit den Worten, trotz der Natur des Falls müsse die Kirche an ihrer Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs festhalten. «Das Gesetz Gottes steht über allen menschlichen Gesetzen», sagte er.
Präsident Silva erklärte dagegen, als Katholik bedauere er zutiefst die Haltung des Bischofs. Die Ärzte hätten das Leben des Mädchens durch den Schwangerschaftsabbruch gerettet.
Abtreibungen sind in Brasilien illegal. Ausnahmen sind möglich, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, das Kind keine Überlebenschance hat oder die Mutter Opfer einer Vergewaltigung war und die Schwangerschaft noch nicht die 20. Woche überschritten hat.
Der Stiefvater des Mädchens sitzt seit vergangener Woche unter dem Verdacht der Vergewaltigung in Haft. Die Abtreibung wurde in der 15. Schwangerschaftswoche in einer Universitätsklinik vorgenommen.
Im Süden Brasiliens wurde unterdessen ein ähnlicher Fall bekannt. Ein elf Jahre altes Mädchen sei nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung durch seinen Stiefvater im siebten Monat schwanger, berichtete die Zeitung «O Globo». Das Kind liege in einem Krankenhaus für Hochrisikoschwangerschaften. Der Stiefvater sitze im Gefängnis.
6.3.09
Quelle: http://de.news.yahoo.com/1/20090306/twl-schwangerschaftsabbruch-bei-vergewal-aa48a9e_1.html