Kirche warnt vor "Augenwischerei" bei Zuwanderungsstreit

Berlin, 12.2.2004 (KNA) Die katholische Kirche hat vor "Augenwischerei" beim
Ringen um ein Zuwanderungsgesetz gewarnt. Eine solche Regelung sollte nach
Ansicht des für Migrationsfragen zuständigen Weihbischofs Josef Voß nur
verabschiedet werden, wenn sie einen tatsächlichen Fortschritt für die
Menschen bringe. Ein Kompromiss um jeden Preis sei dagegen inakzeptabel.
Dafür lasse sich die Kirche nicht vereinnahmen, sagte Voß am Donnerstag in
einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kirche
erwarte sich von einem Zuwanderungsgesetz einen Perspektivwechsel. Es gehe
darum, die Tatsache der Zuwanderung "innerlich zu akzeptieren".

Im einzelnen verlangte Voß beim humanitären Flüchtlingsrecht eine
praktikable Härtefallregelung und ein Ende der Kettenduldungen. Die Menschen
müssten nach einer bestimmten Zeit eine Perspektive für ihr Leben erhalten.
Bei der Anerkennung von Flüchtlingen, die wegen ihres Geschlechts oder von
nichtstaatlichen Gruppen verfolgt werden, forderte Voß, das Opfer und nicht
die Art der Verfolgung müsse im Vordergrund stehen. Für Menschen, die an
Leib und Leben gefährdet seien, "ist es gleich, ob sie von Staaten oder
nichtstaatlichen Gruppen in zerfallenen Staaten verfolgt werden".

Integration stellt nach den Worten von Voß "einen Kommunikationsprozess" dar
und umfasst mehr als nur das Erlernen der deutschen Sprache. Allerdings sei
Spracherwerb eine Grundvoraussetzung - "auch zum Wohle dessen, der zu uns
kommt". Wer sich darauf nicht einlasse, könne deshalb durchaus sanktioniert
werden. Aus Sicht des Bischofs kann Integration am besten gelingen, "wenn
wir die Menschen bei ihren Fähigkeiten und Stärken ansprechen". Außerdem sei
die Familie in diesem Prozess besonders wichtig. Sie biete Ausländern in der
neuen Umgebung zunächst oft den einzigen Raum an Geborgenheit. Deshalb
dränge die Kirche auf Schutz und Respekt der Familien.

Die Arbeitsmigration ist laut Voß für die Kirchen zwar "eher eine offene
Frage". Allerdings sei ein Instrumentarium zur Regelung der Zuwanderung
nötig, das transparent sei und zu Rechtssicherheit führe. Es gehe "nicht
darum, die Türen aufzureißen". Aber trotz hoher Arbeitslosigkeit gebe es
Bedarf an Fachkräften und in der Pflege. Wie viele Ausländer nach
Deutschland einreisen sollten, sei aber eine politische Frage, über die
Bundestag und -rat zu entscheiden hätten.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040212t111011421.htm