Kinder als Armutsrisiko
BDKJ fordert zum Weltkindertag am 20. September: Das Problem
Kinderarmut muss endlich angepackt werden – Für Gesellschaft überlebenswichtig
Würzburg (POW) Das
„heiße Eisen Kinderarmut“ darf nach Ansicht des Bunds der Deutschen
Katholischen Jugend (BDKJ) nicht länger totgeschwiegen werden. „Die Bekämpfung
von Kinderarmut ist mehr als eine aktuelle soziale Frage, sie ist für unsere
Gesellschaft überlebenswichtig“, appelliert Ralf Sauer vom
BDKJ-Diözesanvorstand in einer Erklärung zum Weltkindertag am 20. September.
Das Leben mit Kindern werde in Deutschland zunehmend zur riskanten
Unternehmung, heißt es weiter. „Beinahe ein Drittel aller Sozialhilfeempfänger
sind Kinder und Jugendliche. Bis zu vier Millionen Kinder leben hierzulande in
Armut“, zitiert der BDKJ den Armutsbericht der Bundesregierung. „Kinderarmut
ist in Deutschland weiter verbreitet, als man meist glaubt“, folgert Sauer.
Immer neue Armutsberichte bewiesen, dass vor allem die Kinderarmut in
Deutschland stetig steige. Dabei werde sie nach außen nicht unbedingt sichtbar,
denn sie zeige sich schon lange nicht mehr in zerrissenen Kleidern oder
hungernden Säuglingen. Hierzulande bedeute sie vielmehr soziale Ausgrenzung und
den Verlust von Chancengleichheit: „Kinder aus armen Familien haben größere
Probleme in der Schule, werden schneller zu Außenseitern und sind häufiger
krank oder verhaltensauffällig. Unscheinbare Dinge wie ein Leben ohne
Schwimmbad oder Urlaubsreise sind genauso Auswirkungen von Kinderarmut wie
spätere massive Beeinträchtigungen des Erwachsenenlebens“, verdeutlicht Sauer.
Die PISA-Studie habe belegt: Kinder aus sozial schwachen Familien hätte
geringere Bildungschancen als etwa Akademikerkinder.
Von der Agenda 2010 fordert der BDKJ-Diözesanvorstand notwendige
sozialpolitische Reformen, die gerade auch in der Familienpolitik Auswirkungen
zeigten. Die Einführung des Kinderzuschlags für gering verdienende Eltern
begrüßt der BDKJ. Eltern einen Zuschlag zu gewähren, die arbeiten wollen, aber
zu wenig Geld verdienen, um für den Unterhalt ihrer Kinder aufzukommen, sei
sehr erfreulich. Durch die aktuellen Reformvorschläge werde dies jedoch gleich
wieder vernebelt. „Die Rückführung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau
dürfte noch mehr Arbeitslose, und damit auch ihre Kinder, in die Armut
treiben“, erläutert Sauer.
Der Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die mehr Frauen eine
Erwerbsarbeit und damit ihnen und ihren Kindern den Weg aus der Armut
ermöglichen sollen, ist für den BDKJ längst überfällig. Zusätzlich brauche es
weitere direkte Zuwendungen, wie etwa eine Kindergrundsicherung. „Dies wäre
durchaus realistisch: Wenn jene 20 Prozent der Kinder, die in relativer Armut
oder knapp oberhalb der Armutsgrenze leben, eine zusätzliche Förderung von 100
Euro pro Monat bekämen, würde das rund sieben Milliarden kosten, aber
Einsparungen in der Sozialhilfe mit sich bringen.“
Für den BDKJ ist weiter eine Bildungsreform unumgänglich, welche die
Zementierung der sozialen Schranken im dreigliedrigen Bildungssystem aufbricht.
Von Chancengleichheit könne nur reden, wer besonders jene Kinder fördere, deren
Eltern im Kreislauf von Armut und mangelnder Bildung steckengeblieben seien.
(3803/1260; Telefax voraus)
17.09.2003
Quelle: http://katholische-kirche.de/