In der türkischen Stadt Trabzon
ist ein katholischer Geistlicher ermordet worden. Justizminister Cicek
verurteilte die Tat.
In der
Türkei ist ein katholischer Priester in seiner Kirche von einem Unbekannten
erschossen worden. Der 60-jährige Priester italienischer Nationalität sei im
Innenhof der Santa-Maria-Kirche in der Hafenstadt Trabzon von einer Kugel
tödlich in die Brust getroffen, berichtete der Sender NTV. Die Polizei fahndete
nach einem Jugendlichen, der laut Augenzeugen die Tat verübt haben soll.
Der türkische Justizminister und Regierungssprecher Cemil Cicek verurteilte die Tat und versicherte, es werde alles unternommen, um das Verbrechen aufzuklären. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf einen Angehörigen des Opfers, der Priester sei zur Tür gekommen, weil es geklingelt habe. Der Täter habe drei Schüsse auf den Geistlichen abgegeben.
Der private
Fernsehsender Sky-Turk berichtete dagegen, Augenzeugen hätten zwei Personen die
Kirche verlassen sehen. Sie hätten «Allah ist groß» gerufen. Der apostolische
Vikar in Anatolien, Monsignor Luigi Padovese, sagte, die umstrittenen
Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed hätten möglicherweise eine Rolle
gespielt. Allerdings habe der Priester auch mit Prostituierten aus der Gegend
gearbeitet und ihnen Hilfe angeboten. (nz)
5.2.06
Quelle: http://www.netzeitung.de/vermischtes/380943.html
Türkei:
Der
mysteriöse Tod des Don Santoro
Mit zwei Schüssen
in den Rücken wurde der katholische Priester Andrea Santoro in seiner Kirche im
türkischen Trabzon niedergestreckt. Wurde er ein Opfer religiöser Fanatiker -
oder brutaler Menschenhändler? Die Polizei ermittelt in beide Richtungen.
Hamburg - Die
Ermittler sind sich der Brisanz des Falles bewusst: Mit Hochdruck suchen die
türkischen Behörden nach dem Mörder des katholischen Geistlichen Andrea
Santoro. Der 60-Jährige war gestern wenige Stunden nach der Sonntagsmesse in
der Santa-Maria-Kirche der Schwarzmeerstadt Trabzon erschossen worden. Zwei
Kugeln trafen ihn in den Rücken und durchschlugen Herz und Leber, so die
Ermittler.
Zwei Augenzeugen,
eine Italienerin und ein Türke, sind der Polizei zufolge in der Lage, den etwa
17-jährigen mutmaßlichen Todesschützen zu identifizieren. Aus italienischen Diplomatenkreisen
wurde heute bekannt, dass es eine Video-Aufzeichnung des Täters geben soll. Die
Aufnahmen seien von der Kamera eines unweit der Kirche gelegenen
Juweliergeschäfts gemacht worden. "Der Mörder hat ein Gesicht",
verkündet die römische Zeitung "La Repubblica" auf ihrer
Internetseite. Von dem Täter fehlt dennoch jede Spur.
Die türkische
Polizei ermittelt in zwei Richtungen: Es könnte sich um einen Einzeltäter
handeln, einen religiösen Fanatiker, der ohne Anbindung an eine extremistische
Gruppierung tötete, hieß es. Andererseits gilt es als ebenso wahrscheinlich,
dass der Mord im Zusammenhang mit dem Kampf Santoros gegen den organisierten
Menschenhandel steht. Seit zwei Jahren engagierte sich der katholische Priester
für Frauen, die aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion verschleppt und zur
Prostitution gezwungen werden.
"Er hat
seinem Angreifer nicht ins Gesicht gesehen"
Ein Abgesandter von
Papst Benedikt XVI., Monsignor Antonio Lucibello, sprach dem Mailänder
"Corriere della Sera" zufolge mit der Augenzeugin Loredana P. Die
italienische Mitarbeiterin des Priesters erklärte, Santoro sei getötet worden,
"als er in der ersten Reihe der Kirche kniete und betete". "Er
hat seinem Angreifer nicht ins Gesicht gesehen", sagte Lucibello. Die Frau
habe bestätigt, dass der mutmaßliche Mörder "Allahu Akbar" gerufen
habe, bevor er aus dem Gotteshaus flüchtete.
"Einen Priester
zu töten, noch dazu an einem Ort des Gebetes, ist inakzeptabel, und wir
verurteilen dies aufs Schärfste", erklärte der türkische Premier Recep
Tayyip Erdogan. Gerade nach den jüngsten Entwicklungen in Dänemark und
Frankreich sei dies ausgesprochen "entmutigend". "Ob der Mord
mit den antiislamischen Karikaturen in Zusammenhang steht, wird sich
herausstellen, wenn der Schuldige gefunden wurde", erklärte Trabzons
Gouverneur Hussein Yavuzdemir knapp
Der Gouverneur sagte
Journalisten, es habe in der Vergangenheit bereits Drohungen gegen Santoro
gegeben, weil dieser angeblich missionarisch tätig gewesen sei. Offensive
christliche Mission wird in der Türkei als Versuch der gesellschaftlichen
Spaltung gewertet und gilt in weiten Teilen der Bevölkerung als verwerflich.
Vor allem Nationalisten reagieren geradezu paranoid auf tatsächliche oder
vermeintliche christliche Bekehrer. Begründet wird dies mit Erfahrungen aus der
Endphase des Osmanischen Reiches, als auswärtige Mächte angeblich einheimische
Christen für die Zerschlagung des Reiches instrumentalisierten.
Besonders in Trabzon
hat dieses Geschichtsverständnis viele Anhänger, weil die Stadt vor rund 500
Jahren die Hauptstadt des unabhängigen Reiches der Pontus-Griechen war.
Nationalistische Verschwörungstheoretiker, von denen es in der Stadt wimmelt,
warnen vor der "christlichen Gefahr", weil die Griechen angeblich
ihren Staat dort wieder errichten wollen.
Papst Benedikt XVI.
äußerte sich bestürzt über den Mord an Santoro. Er hofft gleichwohl, dass das
"vergossene Blut" in Zukunft dazu beitragen könne, eine
"authentische Brüderlichkeit unter den Völkern" aufzubauen.
Der apostolische
Vikar von Anatolien, Monsignor Luigi Padovese, war noch gestern nach Trabzon
gekommen. Er sagte, Santoros Arbeit mit Prostituierten könne ein Motiv für den
Anschlag gewesen sein. Er schloss aber nicht aus, dass der Täter aus religiösem
Fanatismus gehandelt haben könnte.
Jetzt hat auch die
Staatsanwaltschaft in Rom Ermittlungen eingeleitet. Mit dem Fall wurde
Staatsanwalt Italo Ormanni betraut. Da der Priester in der Basilika San
Giovanni begraben werden wird, geht man zurzeit davon aus, dass die Leiche
zuvor auch von italienischen Experten obduziert wird.
Das Blut der
Märtyrer
Der "Corriere
della Sera" zitiert einen ehemaligen Studienkollegen des Getöteten,
Vincenzo Paglia, der von einem "Martyrium im Dialog zwischen den
Religionen" spricht. Santoro, 1945 in Priverno in der Region Latium
geboren, war bereits als Elfjähriger ins Seminar eingetreten - unmittelbar nach
dem Tod seines Vaters Gaetano. "Brücke" und "Fenster" zum
Islam zu sein, sei ihm seit frühester Jugend ein Bedürfnis gewesen, schreibt
der "Corriere". 1970 wurde Santoro in Rom zum Priester geweiht, wo er
später die Pfarrgemeinde "Gesù di Nazareth" an der Peripherie der
Hauptstadt leitete. Hier kämpfte er acht Jahre lang mit der Verwaltung, um ein
Grundstück für den Bau einer Kirche zu bekommen. 1988 baute er diese mit Hilfe
von Spenden auf.
Im Jahr 2000 ging er
auf eigenen Wunsch in die Türkei, die er als "heiliges Land"
betrachtete, "weil hier die Apostel gewesen sind und das Blut der Märtyrer
vergossen wurde", so die Zeitung.
Erst am 22. Januar
hatte Santoro auf einer Konferenz seine Vision dargelegt, "der
Verständigung und dem Austausch zwischen entfernten Welten, dem Islam, dem
Judentum und den christlichen Kirchen, einen Weg zu bahnen". Er gründete
die Vereinigung "Ein Fenster in den Nahen Osten".
Zweimal in der Woche
öffnete der Priester seine Kirche für muslimische Gläubige. "Mein Bruder
war ein Missionar im wahrsten Sinne des Wortes", erklärte Maddalena
Santoro, die jüngste Schwester des Priesters, dem "Corriere":
"Er wollte zeigen, dass die Religionen sich gleichen: Die Christen beten
zu der einen Zeit, die Muslime zu einer anderen. Aber ein Zusammentreffen ist
möglich."
Santoro sei nicht
eingeschüchtert gewesen, wenn die Jungen des Viertels in die Kirche gerannt
kamen und "auf den Boden spuckten" oder abends ein Stein oder eine
mit Wasser gefüllte Flasche gegen seine Haustür geworfen wurde, beschreibt der
"Corriere" den Alltag des Geistlichen. "Es sind gute
Leute", soll er Besuchern gesagt haben. "Hier zu leben ist schwierig,
aber es ist Evangelium."
In einem Brief an
Glaubensbrüder, der im Februar vergangenen Jahres auf der Internetseite des
römischen Vikariats veröffentlicht wurde, schrieb der Missionar: "Der Nahe
Osten hat seine dunklen Seiten, seine oft tragischen Probleme und seine Leerstellen.
Deshalb ist es notwendig, dass das Evangelium, das von dort gekommen ist, neu
gesät wird."
Annette Langer
6.2.06
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,399311,00.html
Ankara (rpo). Vor zwei Tagen wurde in der türkischen Stadt Trabzon ein aus Italien stammender katholischer Priester in seiner Kirche ermordet. Jetzt konnten die türkischen Behörden den mutmaßlichen Täter fassen. Laut Nachrichtenagentur Anadolu handelt es sich um einen 16-jährigen Jungen.
Bei dem Zugriff in Trabzon sei eine Waffe beschlagnahmt worden, hieß es weiter. Der 61-jährige Priester aus Piverno bei Rom war vor der Kirche Sankt Maria in der Stadt an der Schwarzmeerküste mit zwei Kugeln erschossen worden. Er hatte sich seit fünf Jahren in der Türkei aufgehalten.
Papst Benedikt XVI. hat sich tief erschüttert über die Ermordung des italienischen Priesters Andrea Santoro (60) im türkischen Trabzon geäußert. "Ich hoffe, dass sein vergossenes Blut zum Samen der Hoffnung wird, um echte Brüderlichkeit unter den Völkern zu schaffen", schrieb der Papst in einem Kondolenztelegramm an den römischen Kardinalvikar Camillo Ruini. In einem weiteren Telegramm an den Apostolischen Vikar für Anatolien, Bischof Luigi Padovese, sprach Benedikt XVI. der christlichen Gemeinde in der Türkei seine Anteilnahme aus und unterstrich seine "feste Absage an jede Form von Gewalt".
Schuss
ins Herz
Santoro war am Sonntag in seiner Kirche in der türkischen Schwarzmeerstadt Trabzon erschossen worden. Die Polizei habe den Mörder, der den Tatort mit dem Ruf "Allah ist größer" verlassen habe, inzwischen auf Grund von Zeugenaussagen und einer Überwachungskamera identifiziert, hieß es am Montagmittag in italienischen Medien. Der Name des Täters, der den Priester von hinten mit zwei Schüssen, davon einem ins Herz, tötete, sei bislang aber noch nicht bekannt gegeben worden.
Das Motiv der Tat liegt weiter im Dunkeln. Der Geistliche habe in jüngster Zeit mehrfach telefonische Drohungen erhalten, bestätigten Ordensleute aus Rom, mit denen er in Brief- und Telefonkontakt stand. Santoro habe sich mit dem organisierten Verbrechen angelegt, als er versuchte, Prostituierte aus der ehemaligen Sowjetunion aus den Fängen von Zuhältern zu befreien. Einer anderen Version zufolge könnte es sich um die Tat eines Geistesgestörten handeln.
Der 1945
in Priverno bei Latina südlich von Rom geborene Santoro war 2000 zur Seelsorge
in die Türkei entsandt worden. Er kümmerte sich um die winzige Gemeinde in der
Schwarzmeerregion und bemühte sich um einen Dialog mit Muslimen. Zuvor war er
als Pfarrer in mehreren römischen Pfarrgemeinden tätig. Nach Freigabe des
Leichnams soll in der römischen Lateranbasilika die Totenmesse stattfinden.
Sorge,
aber keine Angst
Besorgt
äußerte sich nach dem Mord die Türkische Bischofskonferenz. "Derzeit leben
wir in einem Klima der Unsicherheit, und man spürt einige Spannung",
betonte ihr Sprecher, Monsignore Georges Marovitch. Angst gebe es jedoch nicht.
Die Kirche unterhalte "beste Dialog-Beziehungen sowohl mit den zivilen
Behörden als auch mit den Muslimführern".
Die
Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Dienstagsausgabe) würdigte den
ermordeten Andrea Santoro als "Brückenbauer zwischen noch weit voneinander
entfernten Ufern". Er selbst habe sich als Kommunikator zwischen dem Nahen
Osten und dem Westen, zwischen Islam, Judentum und Christentum verstanden.
07.02.06
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/journal/justiz/ausland/175335
Türkei: Regierung verurteilt Mord an italienischem Priester
Die türkische Regierung hat den Mord an einem italienischen Priester im Norden des Landes scharf verurteilt. "Wir können nicht akzeptieren, dass ein Priester durch Kugeln an einem heiligen Ort getötet wird", sagte Ministerpräsident Recep Tyyip Erdogan gestern Abend in Istanbul.
Über das Tatmotiv herrschte zunächst noch Unklarheit. Katholische Würdenträger schlossen als Ursache eine Reaktion auf die Karikaturen des Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen nicht aus. Es könne sich auch um ein Mafia-Verbrechen handeln. Der Priester Andrea Santoro war gestern vor der katholischen Kirche Sankt Maria in Trabzon an der Schwarzmeerküste erschossen worden.
Aufklärung versprochen
"Die Regierung tut alles ihr Mögliche, um diesen Zwischenfall aufzuklären und herauszufinden, wer ihn verübt hat und weshalb", sagte Justizminister Cemil Cicek der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Außenminister Abdullah Gül drückte seine Hoffnung aus, dass diese "vereinzelte Tat" nicht dem "Klima der Toleranz, das in unserem Land herrscht", schade.
Der 61-jährige Priester, der seit zwei Jahren in Trabzon gewirkt hatte, wurde mit zwei Schüssen ermordet. Der mutmaßliche Täter war laut türkischem Fernsehsender NTV auf seiner Flucht von der Überwachungskamera eines Geschäfts nahe der Kirche gefilmt worden. Die Polizei veröffentlichte ein Phantombild des mutmaßlichen Täters. Es zeigt einen jungen Mann im Alter zwischen 16 und 20 Jahren.
7.2.06
Quelle. http://www.orf.at/index.html?url=http%3A//www.orf.at/ticker/208202.html