Katholischer Kirche gehen Priester aus

Fulda. Schäfchen ohne Hirten: Der Priestermangel in der katholischen Kirche gefährdet in Zukunft die Besetzung jeder zweiten benötigten Stelle. Das sei mit Blick auf die leeren Priesterseminare vorhersehbar, sagte Erzbischof Robert Zollitsch am Freitag zum Ende der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. "Nur wenn wir doppelt so viel Neuaufnahmen hätten wie im Augenblick, dann wäre im Zusammenhang mit den anderen pastoralen Diensten eine Seelsorge, wie ich meine, verantwortbar durchführbar."

Von einer Krise wollte Zollitsch aber nicht sprechen. "Wir hatten in Zeiten des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert einen weitaus größeren Priestermangel als heute." Kritikern zufolge sind das Eheverbot des Zölibats und die Überalterung der Kirchengemeinden mit daran Schuld, dass die Priesterseminare so leer sind. So fordert etwa die kirchenkritische Reformbewegung "Wir sind Kirche", dass auch Frauen der Zugang zum Priesteramt gewährt werden solle. Diese Entscheidung sei aber eine theologische Grundsatzfrage und liege nicht in der Macht der deutschen Bischöfe, hatte Zollitsch bereits in der Vergangenheit betont.

 Eine der sichtbarsten Folgen des Priestermangels ist die Fusion vieler Kirchengemeinden. Die Pfarrer müssen immer mehr Gläubige betreuen. Gab es früher regelmäßig Gottesdienste in jeder Kirche, wechseln die Andachten heute oft von einem Gotteshaus zum anderen.

Wegen drastisch sinkender Einnahmen will sich die katholische Kirche von Immobilien trennen, allerdings nicht von Gotteshäusern. Zollitsch sagte: "Für mich hat Priorität, dass wir uns von Immobilien trennen, die nicht Kirchen sind". 2008 traten über 120 000 Menschen aus der Kirche aus. Für das laufende Jahr rechnet die Kirche mit Einnahmeausfällen in Höhe von zehn Prozent.

Kurz vor der Wahl kritisierten die Bischöfe, dass die Parteien trotz der gewaltigen Zukunftsaufgaben viele Antworten schuldig geblieben seien. Die Politiker hätten keinen klaren Weg aus der Krise aufgezeigt. Zudem seien die Themen Bildung und Familie im Wahlkampf nicht ausreichend akzentuiert worden. Deutschland brauche eine Regierung, die sich stärker für den Schutz von Ehe und Familie einsetze.

Die Bischöfe drängten zu einem Abbau der Staatsschulden. Die Bischöfe wollten nicht kritisieren, "dass in der Finanzmarktkrise gehandelt worden ist." Sie seien aber in großer Sorge angesichts der Höhe der Staatsverschuldung. Gerade mit Blick auf die nachkommenden Generationen seien die Belastungen ungerecht verteilt.

 Frankfurter Rundschau, 26.9.09, S.

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1972442_Mangel-Katholischer-Kirche-gehen-Priester-aus.html