Nähe bei Konservativen und "bürgerlicher Mitte" zur katholischen Kirche

"Milieu-Studie" zu Religiosität verschiedener Bevölkerungs-Gruppen

 

München (epd). Die katholische Kirche findet bei konservativ-eingestellten Menschen und der "bürgerlichen Mitte" der Gesellschaft die größte Akzeptanz. Für Christen mit einer konservativen Ausrichtung seien Werte wie Kirche und Familie immer noch das Fundament der Gesellschaft, sagte der Sozialwissenschaftler Carsten Wippermann vom Heidelberger "Sinus Socovision"-Institut bei der Präsentation einer Studie zur Religiosität verschiedener Bevölkerungs-Gruppen in der katholischen Akademie in München. Die Studie "Lebensstile und religiöse Orientierung" war von der katholischen Medien-Dienstleistungs GmbH (München) im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz bei "Sinus Socovision" in Auftrag gegeben worden. 

Die Menschen, die sich der "bürgerlichen Mitte" zuordnen, erwarten von der Kirche der Studie zufolge vor allem die Vermittlung von ethischen Werten wie "Nächstenliebe", "Toleranz" und "Mitleid". Die kirchlichen Rituale werden, wie Wippermann sagte, von dieser gesellschaftlichen Gruppe häufig nicht mehr verstanden und nur noch als "übernommene Relikte" gesehen. Die Gruppe der "Postmateriellen", die nach einem individuellen Sinn des Lebens suchen, übernehme nur noch einzelne Elemente von Kirche und Religion in ihren Lebensalltag. Für die wachsende Zahl der "Modernen Performer", für die berufliche Verwirklichung und die Orientierung am "Zeitgeist" im Mittelpunkt steht, spiele Religion und Kirche keine Rolle mehr.

Die Konsequenz der Studie müsse sein, wie MDG-Geschäftsführer Wilfried Günther sagte, dass die Kirche ihre Angebote an den verschiedenen Zielgruppen orientiere. Die Seelsorge und die kirchliche Struktur sollten sich stärker an den verschiedenen "Milieus" ihrer Mitglieder ausrichten. Außerdem müsse die Kirche von sich aus stärker Themen setzen und gesellschaftliche Diskussionen bestimmen.

Mit deutlicher Skepsis wertete der Münchner Weihbischof Franz Dietl die Ergebnisse der Studie. Die Studie könne nur "Trendaussagen" aufzeigen, sagte Dietl, der Mitglied der "Pastoralkommission" der Deutschen Bischofskonferenz ist. Wenn die Priester sich nur noch den verschiedenen Milieus anpassten,  würden sie zu "Chamäleons". Außerdem seien in der Studie die Unterschiede von Stadt und Land, Arm und Reich oder Einheimischen und Zugezogenen nicht berücksichtigt. Deshalb könne die Studie keine Grundlage für eine "Neuausrichtung" der katholischen Seelsorge ("Pastoral") sein.

Der frühere evangelische Münchner Stadtdekan Hans Dieter Strack, in dessen Amtszeit die Unternehemsberatung McKinsey eine breitangelegte Erhebung der evangelischen Kirche in München erarbeitet hatte, betonte bei der Podiumsdiskussion, dass in beiden großen Kirche die Bedeutung der bisherigen Gemeinde-Struktur abnehme. Es bleibe jedoch die Aufgabe der Kirche, die Menschen aus den unterschiedlichen Milieus durch die christliche Botschaft zusammenzuführen. (0744/13.05.06)

Quelle: http://www.epd.de/bayern/bayern_index_42667.html