Katholiken
lehnen gemeinsame Abendmahlsfeiern ab Zum Fronleichnamsfest "Kein
unfreundlicher oder gar unökumenischer Akt"
München/Fulda (AP) In ihren
Predigten zum Fronleichnamsfest haben katholische Geistliche gemeinsame
Abendmahlsfeiern mit evangelischen Christen erneut kategorisch abgelehnt. Die
katholische Feier der Eucharistie sei «weit mehr als ein Mahl unter Christen
jedweder Couleur», sagte der Essener Weihbischof Franz Grave am Donnerstag. Es
sei daher auch kein «unfreundlicher oder gar unökumenischer Akt», wenn
Nicht-Katholiken noch nicht zur Eucharistiefeier zugelassen seien. Dies setze
Kircheneinheit voraus,
die zum jetzigen Zeitpunkt
aber nur vorgetäuscht wäre, sagte Grave.
Auch der Erzbischof von
München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, betonte, solange es keine
volle kirchliche Einheit gebe, könne es auch keine wahrhaftige eucharistische
Gemeinschaft geben. Mit Blick auf den ökumenischen Kirchentag in Berlin, wo
Katholiken und Protestanten unerlaubt ein gemeinsames Abendmahl gefeiert
hatten, distanzierte sich der Kardinal ausdrücklich von eigenmächtigen
Handlungen. «Wer die eucharistische Gemeinschaft in provozierender Weise
einfach vollziehen will, führt zu Verwirrung und Konflikt und dient nicht der
Einheit unter den Christen.»
Mit Gottesdiensten und
Prozessionen feierten am Donnerstag zehntausende Katholiken in Deutschland das
Fronleichnamsfest. In den sieben großen bayerischen Bischofsstädten und einem
Großteil der mehr als 4.000 bayerischen Pfarreien fanden Prozessionen statt.
Tausende Gläubige beteten vor allem um Frieden und Gerechtigkeit unter den
Völkern und um Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben und der ganzen Schöpfung.
Bei dem seit dem 13. Jahrhundert gefeierten Fronleichnamsfest mit dem
offiziellen liturgischen Namen «Hochfest des Leibes und Blutes Christi» wird
der Glaube an die Gegenwart Christi im eucharistischen Brot bezeugt.
Eine der größten
Fronleichnamsprozessionen in Hessen fand in Fulda statt, wo das Fest seit mehr
als 700 Jahren begangen wird. Auf dem Domplatz versammelten sich mehr als 5.000
Gläubige und zogen anschließend durch die mit frischem Birkengrün,
Blumenteppichen und gelb-weißen Fahnen geschmückte Innenstadt.
Während des Gottesdienstes
betonte Bischof Heinz Josef Algermissen: «Die Eucharistie, die wirkliche
Gegenwart des Herrn inmitten seiner Kirche - das ist die Mitte, mit der die
Kirche steht und fällt. Alles andere hat sich diesem unterzuordnen.» Die
Kriterien für die Diskussion über die Ökumene dürfe man sich nicht von außen
her aufdrängen lassen, «etwa aus dem säkularisierten gesellschaftlichen Milieu
unsere Tage, das die Kirche zu einer völlig blassen, letztlich gänzlich
angepassten Schnittmenge seiner Interessen machen möchte».
Der Kölner Erzbischof
Kardinal Joachim Meisner wies auf die Rolle Gottes in der Arbeitswelt hin. «Sie
garantieren, dass die Arbeit nicht zum Götzen entartet und sie schützen den
Arbeiter vor Ausnutzung und Ausbeutung», sagte Meisner laut vorab verbreitetem
Predigttext im Kölner Dom. Christus dränge auch dazu, die Arbeit mit denen zu
teilen, die keine Arbeit hätten, und mit für die zu sorgen, die ohne Arbeit
seien, erklärte der Erzbischof weiter. Gleichzeitig appellierte er an die
Gläubigen, als Familiengemeinschaften, als kleine Gruppen oder Einzelne
häufiger die Kirchen zu besuchen.
19. Juni 2003
Quelle: http://de.news.yahoo.com/030619/12/3i2g8.html