Kirchen beklagen Menschenrechtslage in der Türkei

 

Hamburg (AP) Zwei Wochen vor der Entscheidung über EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei haben Vertreter der beiden großen Kirchen die Menschenrechtslage in dem Land beklagt. «Die Türkei ist leider noch weit davon entfernt, bei den Menschenrechten einem normalen europäischen Land zu gleichen», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der «Bild am Sonntag». Nach Ansicht des evangelischen Bischofs Rolf Koppe ist die Türkei deshalb nicht reif für die EU.

 

«In der Türkei gibt es für Christen keine Religionsfreiheit, weil es dafür keine Rechtsgrundlage gibt», sagte Koppe weiter. Lehmann kritisierte, dass der sunnitische Islam quasi Staatsreligion sei, obwohl die Türkei bereits vor 80 Jahren die Trennung von Staat und Kirche festgeschrieben habe. «Zwar hat jeder Einzelne in der Türkei das Recht, seinen Glauben frei zu wählen. Aber die christlichen Kirchen werden klein gehalten», fügte der Kardinal hinzu.

 

Im Detail forderte Lehmann, dass die Kirchen Eigentum erwerben und besitzen dürfen. «Der Bau von Kirchen muss erlaubt werden, und das nicht nur in Ausnahmefällen.» Lehmann kritisierte, dass es in Teilen der türkischen Gesellschaft eine respektlose und aggressive Haltung gegenüber Christen gebe.

 

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen am 16. und 17. Dezember in Brüssel über Beitrittsverhandlungen entscheiden. Die EU-Kommission hatte sich im Oktober für den Beginn der Gespräche ausgesprochen

 

4. Dezember 2004

 

Quelle: http://de.news.yahoo.com/041204/12/4bpne.html