Karl Rahner - "Große Dienste für Theologie und Kirche"

Freiburg, 1.2.2004 (KNA). Kardinal Karl Lehmann hat Karl Rahners (1904-1984)
"große Dienste" für Theologie und Kirche gewürdigt. Die Theologie des am 5.
März vor 100 Jahren in Freiburg geborenen Jesuiten habe nicht zuletzt darum
so viel Anerkennung gefunden, weil sie "radikal und unbestechlich aus einer
großen Glaubenserfahrung" gelebt habe, betonte der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz bei einem Festakt zu Ehren Rahners am Wochenende in der
Freiburger Katholischen Akademie.

Manchen sei Rahner als ein "freischwebender Spekulant" erschienen, erklärte
Lehmann, der Assistent Rahners war. So aber könne nur urteilen, wer den
"biblischen Wurzelboden, die bleibende Nähe der Menschenwelt und die
geschichtsgesättigte Erfahrung Rahners" ignoriere. Letztes Ziel aller
Bemühungen Rahners sei eine "radikale Neuorientierung des menschlichen
Verhaltens" gewesen, die "von der Gnade Gottes angeregt, getragen und
vollendet wird".

Seit den 60er Jahren habe Rahner sich mit wachsender Intensität den
politischen und gesellschaftskritischen Implikationen des Glaubens
zugewandt, erläuterte der Mainzer Bischof. Dies sei insbesondere in der
Auseinandersetzung mit theologischen nachkonziliaren Entwürfen geschehen,
wie zum Beispiel mit der Befreiungstheologie. Noch intensiver sei der Dialog
mit der Politischen Theologie von Johann Baptist Metz in Münster geworden.
Politik und Religion zeigten sich für Rahner "bei aller grundlegenden
Andersartigkeit immer mehr in ihrer schwer auflösbaren Einheit und
gegenseitigen Abhängigkeit".

Die Dimension des Politischen in Rahners Denken sei mit einer "zuweilen
radikalen Kritik der bürgerlichen Gesellschaft und erst recht einer
verbürgerlichten Religion einhergegangen". Bei allem sei der Jesuit aber ein
"Mann der Kirche" geblieben. Niemand könne Rahner eine "tiefe Liebe zur
Kirche" absprechen, betonte Lehmann. "Überhaupt ist es manchmal beschämend,
wie einem der größten Theologen des vergangenen Jahrhunderts im deutschen
Sprachgebiet gelegentlich schon der gute Wille abgesprochen werde", so der
Kardinal wörtlich.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040201t110531500.htm

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