Kardinal Meisner greift bei Bischofstreffen katholische Laien scharf an

Von Wolfgang Wagner

Bild: Publik Forum    

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat schwere Vorwürfe gegen katholische Institutionen und Gremien erhoben. "Manche unserer Einrichtungen verdunkeln den katholischen Glauben", sagte Meisner bei der Bischofskonferenz in Fulda. Der kaum versteckte Angriff auf die Arbeit kirchlicher Verbände empörte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

FRANKFURT A. M., 25. September. Bei der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe beklagte der Erzbischof, in die Kirche habe ein "selbst gezimmerter, ideologischer Glaube" Einzug gehalten, der nur noch dem Namen nach katholisch sei. Würde in einem Pisa-Test das Glaubenswissen der Katholiken untersucht, würde das Resultat noch schlechter ausfallen als die Schulstudie. In seiner Predigt ging Meisner auch Mitarbeiter katholischer Einrichtungen und Helfer in der Gemeinde hart an: Er habe von Kindergärtnerinnen gehört, die noch nicht zum katholischen Glauben gefunden hätten - das könne nicht gut gehen. "Blinde können doch nicht Führer von Blinden sein", sagte Meisner mit Blick auf die Kindererziehung. Er rechnete zu- dem mit katholischen Verbänden ab. Die Kirche drohe vor lauter Strukturen, Statuten, Sekretariaten und Kommissionen' zur reinen Organisation zu erstarren. Die Apparate seien oft so mächtig, dass sich die Bischöfe "machtlos' fühlten und gute Miene zum bösen Spiel machen'.

Das ZdK, das höchste Laiengremium, wertete die Predigt als Frontalangriff und warf dem Kardinal vor, den Dialog mit den Laien zu verweigern. Laut ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer hat Meisner die Predigt gegenüber einer am Vorabend verbreiteten schriftlichen Fassung entschärft. In der ursprünglichen Version habe der Kardinal massiv ausdrücklich das ZdK, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung sowie katholische Politiker angegriffen und den Verantwortlichen geringes Glaubenswissen attestiert. In dieser Hinsicht könnten sie es aber "getrost" mit dem Erzbischof aufnehmen, so Meyer. Ohne die Arbeit der Laien wäre die Kirche eine "bedeutungslose Sekte".

Quelle: Frankfurter Rundschau, 26.5.02, S. 5