Kardinal Meisner: Neuausrichtung der Katholikentage

Köln, 1.7.2004 (KNA). Massive Kritik an Programmteilen des Ulmer
Katholikentages hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner geübt und zugleich
eine Diskussion über deren künftige Ausrichtung gefordert. Die Schatten über
dem jüngsten Treffen könnten nicht übersehen oder wegdiskutiert werden; die
Frage sei durchaus realistisch, ob das in Zukunft so weitergehen könne,
betont Meisner in einem vorab verbreiteten Beitrag in der Kölner
Kirchenzeitung. Darin greift der Kardinal auch den Vorsitzenden der
Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und den Präsidenten des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, scharf
an.

Besonders die Auftritte der Kirchenkritiker Eugen Drewermann, Bischof
Jacques Gaillot und Hans Küng stoßen bei Meisner auf Unverständnis. Die
Reaktionen des Episkopats-Vorsitzenden wie des ZdK-Präsidenten auf die
"sachlich begründete Kritik" am Katholikentag in Ulm durch den Erzbischof
von Bamberg, Ludwig Schick, seien "sehr aufschlussreich". Meisner weiter:
"Die für den Katholikentag Verantwortlichen scheinen nicht einmal eine Nacht
über das kritische Wort von Erzbischof Schick geschlafen zu haben, denn das
würde ihnen geholfen haben, eine anständigere Antwort zu finden als die des
Professors Meyer, dem Bamberger Erzbischof 'eine Sehhilfe zu verschreiben'."

Wenn dann noch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, wie die
Internet-Agentur "Kath.net" berichtet habe, zur Kritik seines bischöflichen
Mitbruders meine, "von Orientierungslosigkeit könne keine Rede sein, wer
anderes behaupte, sei wahrscheinlich gar nicht da gewesen, fragt man sich,
warum die beiden so gereizt reagieren", so der Kölner Kardinal. Schick war
während des Katholikentreffens auf deutliche Distanz gegangen. Die Kirche
stelle sich wieder einmal als "Debattierclub über alles und jedes" dar. Den
berufsmäßigen Kirchenkritikern werde die größte Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Katholikentag trage mehr zur Orientierungslosigkeit bei, als dass er
"Durchblick" auf Jesus Christus gebe.

In dem Kirchenzeitungs-Beitrag heißt es weiter: Müsse man sich "nicht an den
Kopf fassen" und fragen, was eigentlich mit den Verantwortlichen des
Katholikentages los sei. "Man braucht auch die zweite Hand, die sich an den
Kopf fasst, denn Ähnliches wie für Eugen Drewermann gilt für die Einladung
des emeritierten, vom Amt enthobenen französischen Bischofs Jacques
Gaillot." Unter Beifall habe dieser für eine "neue Art von Priestertum,
unabhängig von Geschlecht und nur auf Zeit" plädiert. Drewermann habe
"Zölibat und Gehorsam" als skandalös abgetan. Meisner: "Prädestiniert
Unkirchlichkeit dazu, zum Katholikentag eingeladen zu werden?"

Zu den Aspekten, die zu denken geben sollten, gehöre auch der Auftritt von
Küng, der zusammen mit Kardinal Lehmann ein Forum bestritten habe. "Hans
Küng, bekannt für seine Attacken und Aversionen gegen den Heiligen Vater,
der in aller Welt überaus geschätzt ist, konnte sich in Ulm auf 'hohem
Niveau' mit seinen Thesen auslassen", so Meisner. Küng, dem die Lehrbefugnis
vom kirchlichen Lehramt entzogen sei, "bekam hier die Möglichkeit geboten,
sich von Katholiken als theologische Autorität feiern zu lassen". Seine
Schlussbemerkung, dass Kardinal Lehmann dafür sorgen solle, dass ein Papst
Johannes XXIV. demnächst gewählt werde, drücke, so Meisner, "überdeutlich
Küngs Geringschätzung für Papst Johannes Paul II. aus". Dass Kardinal
Lehmann, "der von diesem Papst ins Kardinalskollegium berufen wurde", darauf
keine Antwort gefunden habe, mache nachdenklich.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040701t105124203.htm


Linkhinweise:

Warum so gereizt?
Kardinal Meisner über einige Aspekte des Katholikentages
http://www.kirchenzeitung-koeln.de/archiv/2004/0426/kardinal.htm

Tacheles reden oder Schmusekurs - Was ist denn nun richtig?
Kommentar zum Katholikentag
http://www.kirchenzeitung-koeln.de/archiv/2004/0426/kommentare.htm

Was will der Katholikentag bewegen?
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken
sollte das Treffen von Ulm genau analysieren
http://www.kirchenzeitung-koeln.de/archiv/2004/0426/blickpunkt.htm