Lehmann warnt vor Tragödie im Irak
Mainz (AP) Kardinal Karl Lehmann hat angesichts des drohenden
Irak-Krieges die Christen in Deutschland aufgerufen, «alles zu tun, um nach
letzten Alternativen zu suchen». Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz
sagte am Freitag in Mainz, ein Krieg wäre «eine Tragödie für alle, auch für die
Amerikaner».
Der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer,
sagte, das Hilfswerk bekämpfe in Irak noch heute die Folgen des letzten
Golfkriegs von 1991.
«Wenn im Süden des Landes ein Kind geboren wird, fragt die Mutter als
erstes, ob es irgendwelche Missbildungen hat», sagte Sayer. Wie die dramatisch
angestiegenen Leukämiefälle im Südirak seien auch die Missbildungen auf den
Einsatz uranhaltiger Munition durch die US-Truppen vor zwölf Jahren
zurückzuführen. Die Menschen in Irak hätten die Kriegserfahrung satt und
wollten ein normales Leben führen.
Der Misereor-Geschäftsführer warnte für den Fall eines Kriegs vor
enormen Folgen für das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in aller Welt:
«Das Anliegen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs würde durch
einen Krieg in Irak nachhaltig gefährdet.»
Die diesjährige österlichen Fastenaktion steht unter dem Motto «Wem
gehört die Welt?». Misereor will insgesamt 45 Millionen Euro für Hilfsprojekte
sammeln. Die Kollekte aus den katholischen Gottesdiensten am 5. und 6. April
fließt zu diesem Zweck komplett in die Kasse von Misereor. Im vergangenen Jahr
unterstützte Misereor nach eigenen Angaben mit rund 90 Millionen Euro rund
1.600 Projekte weltweit.
Nach den Worten des Geschäftsführers ist Misereor derzeit mit
verschiedenen Hilfsprojekten in Irak und den Nachbarländern präsent. Dabei gehe
es vor allem um die Trinkwasserversorgung in den Regionen Basra und Bagdad
sowie in den Kurdengebieten des Nordens. Zudem kümmere sich Misereor um Iraker,
die seit 1991 als Flüchtlinge in Jordanien leben.
Sayer sagte, das Motto der Fastenaktion «Wem gehört die Welt?» wende
sich nicht allein gegen die Benachteiligung armer Völker bei der Verteilung von
Nahrungsmitteln und Rohstoffen, sondern auch gegen die Versuche multinationaler
Konzerne, sich Teile der Schöpfung patentieren zu lassen.
7. März
2003
Quelle: http://de.news.yahoo.com/030307/12/3bwoo.html