Kardinal Lehmann sieht Dialog mit dem Islam skeptisch

 

Mainz (RPO). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal

Lehmann, hat sich skeptisch zu einem Dialog mit dem Islam geäußert. Religion müsse

dem Menschen zur Freiheit verhelfen. Der Islam müsse sich mit dem Verhältnis von

Gottesbild und Gewalt auseinandersetzen, so Lehmann.

 

"Man war im Umgang mit dem Begriff des interreligiösen Dialogs ein bisschen leichtsinnig und zu

blauäugig. Miteinander zu reden und sich zu unterhalten ist ja nicht Dialog", sagte der Mainzer

Erzbischof in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Dialog wolle zumindest einen

Teilkonsens erzielen.

 

Religion müsse dem Menschen letztlich zu seiner Freiheit verhelfen. "Wenn sie ihn neu versklavt,

dann muss sie auch vom authentischen Glauben bekämpft werden", sagte Lehmann.

 

Er sei nicht der Ansicht, dass der Islam den Menschen versklave, aber natürlich müsse man sich

im Islam das Verhältnis von Gottesbild und Gewalt genauer vornehmen und diese spannungsvollen

Aussagen zwischen den Suren versuchen aufzulösen - rational und vernünftig. "Das ist ein großes

Gebiet", sagte der Kardinal.

 

Nach der Regensburger Papstrede habe es Missverständnisse gegeben, die Benedikt XVI.

zurecht gerückt habe. Aber es gab keinen Anlass, etwas zurückzunehmen oder zu entschuldigen,

wie Lehmann betonte. Wenn die Diskussion um die Rede dazu gedient haben sollte, dass der

Dialog zwischen Christentum und Islam ernsthafter werde, habe alles aber auch seinen guten

Sinn gehabt

 

Zurückhaltend äußerte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz zum Verbot multireligiöser

Feiern, das der Kölner Kardinal Joachim Meisner in seinem Bistum kürzlich verfügt hatte.

Solche multireligiösen Feiern könnten einen religiösen Mischmasch fördern.

 

Es gebe in diesem Zusammenhang noch eine Reihe von theologischen Fragen. Aber nach Ansicht

Lehmanns besteht durchaus die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen gemeinsam eine Feier zu

veranstalten. Allerdings sollten die einzelnen Religionen dann ihren jeweils eigenen Part darin haben.

 

28.12.06

Quelle: http://www.rp-online.de:80/public/article/aktuelles/panorama/deutschland/religion/390965