Kardinal Lehmann
stellt Bedingungen für Dialog mit Islam
Berlin (AP) Der Vorsitzende der
katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sieht nur
geringe Chancen für einen ehrlichen Dialog mit dem Islam. Gleichzeitig sprach
er sich in einem Interview der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe) aber
für ergebnisoffene Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei aus.
Zu den Bedingungen für den
interreligiösen Dialog sagte Lehmann: «Die elementare Voraussetzung ist, dass
ein Gleicher mit einem Gleichen redet. Das heißt, die Voraussetzungen für die
Annahme des Anderen müssen gleich sein. Das ist im Verhältnis zum Islam
zweifelhaft, weil die dafür nötige Wechselseitigkeit nicht gegeben ist. Man
kann zum Beispiel in Rom eine gigantische Moschee bauen, aber es wird
problematisch, in einem Land wie Saudi-Arabien überhaupt einen christlichen
Gottesdienst zu feiern.»
Der Kardinal äußerte die
Überzeugung, «dass der Islam sehr stark kämpferische, sieghafte Elemente fast
absolut» setzt. Eroberung sei im Islam ein zentrales Paradigma. Die Bibel
hingegen habe von Anfang an eine große Möglichkeit der Annahme Anderer gegeben.
Zugleich gab sich der Kardinal
skeptisch gegenüber Hoffnungen auf einen europäischen Islam. Für ihn persönlich
stelle sich viel stärker die Frage nach der Identität Europas. In Europa fehle
offensichtlich das Fundament, «auch das spirituelle und geistige Fundament für
eine wertegebundene und handlungsfähige Außenpolitik». Da müsse mehr an einer
geistigen Grundlage gearbeitet werden.
Lehmann sprach sich für
ergebnisoffene Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt aus, warnte
aber vor falschen Tönen. Es gelte anzuerkennen, dass gerade Deutschland im 19.
und 20. Jahrhundert gute kulturelle und politische Beziehungen mit der Türkei
hatte und viele Verfolgte der NS-Zeit Zuflucht in dem Land gefunden hätten.
Diese guten, grundlegenden Beziehungen dürfen durch die Debatte nicht
beschädigt werden, sagte Lehmann. Es wäre allerdings besser gewesen, man hätte
über die Defizite in der Menschenrechtsfrage vorher gesprochen. «Der Weg, den
man jetzt einschlägt, ist eindeutig der schlechtere», sagte der Kardinal.
8. Dezember 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/041208/12/4bwty.html