Kardinal Lehmann besorgt über Bedeutungsverlust der Kirche
Hamburg (AP) Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal
Karl Lehmann, hat sich besorgt über einen Bedeutungsverlust der Kirche im
öffentlichen Ansehen geäußert. Sie müsse vor allem im Bereich Ehe, Familie und
Sexualität verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, sagte der katholische
Geistliche dem Hamburger Magazin «Stern» laut Vorabmeldung vom Mittwoch. In
einer groß angelegten Internet-Umfrage hatten sich zuvor nur 39 Prozent der
Teilnehmer in Deutschland als religiös bezeichnet.
Die Erhebung unter 356.000 Usern stand unter dem Motto «Wem vertrauen
die Deutschen eigentlich noch?». Nach Angaben des Magazins handelt es sich bei
der so genannten «Perspektive Deutschland» um die größte repräsentative
Internetumfrage. Sie wird in Deutschland gemeinsam von «Stern», McKinsey,
T-Online und ZDF durchgeführt.
Während sich noch 39 Prozent als religiös bezeichneten, stuften sich
fast genauso viele Befragte als Atheisten oder eher nicht religiös ein. Als
«eher religiös» bezeichnen sich in Bayern 50 Prozent, in Baden-Württemberg 46
und in Nordrhein-Westfalen 45 Prozent, in Niedersachsen 44, in Rheinland-Pfalz
44 und im Saarland ebenfalls 44 Prozent der Einwohner.
Die geringste Bedeutung hat Religion offenbar für die Menschen in den
Stadtstaaten Hamburg mit 26 und Berlin mit 24 Prozent sowie in den neuen
Bundesländern. In Thüringen bezeichneten sich nur noch 19 Prozent, in
Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern je 15 Prozent sowie in Sachsen-Anhalt
14 Prozent der Umfrageteilnehmer als religiös.
«Es tut weh, an Bedeutung zu verlieren», sagte der Mainzer Bischof
Lehmann zu den Ergebnissen der Studie. Nach seiner Einschätzung hat die Kirche
«im persönlichen Bereich, bei Ehe, Familie, Sexualität offensichtlich nicht
mehr viel zu melden». Da müsse sie «zweifellos in hohem Maße Vertrauen
zurückgewinnen», räumte der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in
Deutschland ein. «Minderheit zu werden ist schwer, Minderheit zu sein, ist es
nicht mehr», sagte Lehmann nach Angaben des «Sterns» weiter. Auch eine
Minderheitenkirche könne Volkskirche sein, wenn sie die Schwächsten und Ärmsten
nicht aus den Augen verliere. «Die Mitgliederzahl ist dann weniger wichtig als
unsere Treue zu dieser Aufgabe», zitiert das Magazin den Kardinal.
23. April
2003
Quelle: http://de.news.yahoo.com/030423/12/3eqa8.html