Kardinal Karl Lehmann - Ein vorsichtiger Reformer

Andere gehen mit 65 in Ruhestand, Karl Lehmann steht möglicherweise noch vor einer großen Karriere. Der Mainzer Erzbischof wird seit seiner Ernennung zum Kardinal im Februar von einigen sogar als Papstnachfolger gehandelt.

Dabei stand der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz lange Jahre mit Rom in Konflikt. Durch sein kämpferisches Eintreten für die Schwangerenberatung der deutschen katholischen Kirche wurde Lehmann zeitweise als "Gegenspieler des Papstes" eingestuft. Lehmann, der auch als Mann des Ausgleichs gilt, gab letztlich den Bitten des Papstes nach und leitete den Ausstieg der Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung ein.

Anlässlich seines 65. Geburtstages hat Bundeskanzler Gerhard Schröder Kardinal Lehmann als leidenschaftlichen Theologen sowie kenntnisreichen und unermüdlichen Vermittler zwischen Kirche, Gesellschaft und Staat gewürdigt. In einem in Berlin veröffentlichten Schreiben gratuliert der Kanzler dem Bischof von Mainz und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Mit innerkirchlicher Kritik ging Lehmann stets behutsam um. Er ließ der Reformbewegung "Kirchenvolksbegehren" weitgehend freie Hand, obwohl er deren Forderungen wie die Priesterweihe für Frauen nie aktiv unterstützte. Wegen dieser liberalen Haltung wird er als vorsichtiger Reformer gesehen, der auf den Faktor Zeit setzt: "Wahre kirchliche Erneuerung hat einen langen Atem", sagte er 1996 in einem Vortrag.

(nach: ntv-online 16.5.01)