Kardinal Kasper: Die Ziele von Ökumene aus katholischer Sicht

 

Bei einem Vortrag auf einem Kongress christlicher Laienverbände aus ganz
Europa in Gnesen in Polen sagte Kardinal Kaspar u. a. folgendes:

"In den letzten 40 Jahren hat die ökumenische Bewegung viele Phasen
durchlaufen: enthusiastische Phasen, Phasen der Enttäuschung und einer
allgemeinen Kater- und Krisenstimmung. Beide Urteile halten der Wirklichkeit
nicht stand. Es ist wahr: wir haben das Ziel, die volle Kirchengemeinschaft
noch nicht erreicht. Aber Fortschritte sind unbestreitbar. Wie soll und wie
kann es weitergehen?

1. Die Ökumene der Zukunft muss seriös sein, und wo sie es nicht mehr ist,
muss sie es wieder werden. Die Grundlage ist nicht ein vages
Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern das gemeinsame biblische Zeugnis. Zur
Seriosität gehört gleichfalls, dass wir die Differenzen, welche leider
zwischen uns bestehen, nicht verschweigen, verharmlosen oder unterschlagen.
Schummelei führt nicht weiter.

2. Zur Seriosität in den Grundlagen kommt die Klarheit in der
Zielbestimmung. Was wollen wir? Worauf soll alles hinaus? Die katholische
Kirche meint eine wirkliche Einheit in der Verschiedenheit, d.h. eine
Einheit im einen Glauben, in denselben Sakramenten und im einen apostolisch
begründeten Bischofsamt. Dagegen hat sich auf evangelischer Seite in den
letzten Jahrzehnten in weiten Teilen eine andere Auffassung durchgesetzt,
die man als Verschiedenheit ohne wirkliche Einheit bezeichnen muss. Wenn ein
solches Nebeneinander unterschiedlicher, ja gegensätzlicher Kirchenformen
als Ökumene der Profile definiert wird, dann ist das für uns entschieden zu
wenig."

Kardinal Kasper wies auch auf die schon bestehenden Möglichkeiten zur
Zulassung von Nichtkatholiken zur Kommunion hin. Er meinte dazu: "Ich würde
mir wünschen, dass die Bischöfe davon in Zukunft angemessen Gebrauch machen.
Denn ich bin überzeugt, dass man auf diese Weise die wirklichen pastoralen
Notfälle verantwortlich und vor allem barmherzig lösen kann."

17.09.05
Quelle: http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?id=49176

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Georg Pelzer, Dipl.-Theol., RL
G.Pelzer@agt-foerderverein.de