Kann orthodoxes Priesterseminar in der Türkei wieder öffnen?

 "Chalki wird im September wiedereröffnet"

 Laut "Hürriyet" wurde ein Weg gefunden, um die Schließung von Seminar und Theologischer Hochschule des Ökumenischen Patriarchats aufzuheben

 Ankara (KAP) Das orthodoxe Priesterseminar und die Theologische Hochschule auf der Prinzeninsel Chalki sollen im September wieder öffnen dürfen. Wie die Tageszeitung "Hürriyet" am Mittwoch meldete, glaubt die Regierung in Ankara, ein "konsensfähiges Modell" für die Wiedereröffnung von Chalki gefunden zu haben.

 Nach informellen Vorgesprächen mit Kirchenvertretern sollen in den nächsten Tagen offizielle Verhandlungen mit dem Ökumenischen Patriarchat aufgenommen werden. Ziel sei, Seminar und Hochschule zum Beginn des neuen Schuljahrs wieder zu öffnen.

 Seminar und Hochschule auf der Insel im Marmarameer waren 1971 im Zuge eines allgemeinen Verbots privater Hochschulen in der Türkei geschlossen worden. Obwohl private Universitäten heute wieder erlaubt sind, durfte Chalki bisher nicht wieder eröffnen.

 Wegen der fortdauernden Schließung sieht sich das Ökumenische Patriarchat in seiner Existenz bedroht. Nach türkischen Vorschriften darf das Patriarchenamt nur von einem türkischen Staatsbürger bekleidet werden, der zudem in Istanbul leben muss. Solange das Seminar geschlossen ist, kann kein geistlicher Nachwuchs ausgebildet werden. Eine Wiedereröffnung von Chalki zählt zu den dringendsten Forderungen der EU an die Türkei.

 Formell will die Regierung laut "Hürriyet" das Seminar als "Berufsschule für Minderheiten" einstufen und dem Bildungsministerium unterstellen. Damit wäre die bislang von Ankara favorisierte Angliederung an die islamisch-theologische Fakultät einer staatlichen türkischen Universität umgangen. Das Patriarchat hatte einen solchen Anschluss strikt abgelehnt. Eine Stellungnahme des Patriarchats zu dem Pressebericht lag zunächst nicht vor.

 Auch Kyrill I. ist zuversichtlich

 Auch der neue Moskauer Patriarch Kyrill I. zeigt sich nach Gesprächen in Ankara zuversichtlich über eine baldige Wiedereröffnung des orthodoxen Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf Chalki. Kyrill I. äußerte sich vor Journalisten erfreut über die jüngsten Andeutungen aus Regierungskreisen, dass Seminar und Hochschule wieder öffnen können. "Wir haben gehört, dass das Seminar wiedereröffnet werden könnte", wurde der Patriarch von mehreren türkischen Zeitungen und Sendern zitiert: "Das ist sehr positiv".

Kyrill I. bezog sich offenbar auf die Äußerungen mehrerer türkischer Minister, die in der vergangenen Woche zeitgleich über eine Öffnung von Chalki nachgedacht hatten. Kulturminister Ertugrul Günay erklärte, er sei - ebenso wie die anderen Kabinettsmitglieder - der Auffassung, dass das seit 1971 geschlossene Priesterseminar wieder geöffnet werden soll. Kurz darauf sprachen sich auch EU-Minister Egemen Bagis und Bildungsministerin Nimet Cubukcu öffentlich dafür aus. Beobachter werteten diese Aussagen als Zeichen dafür, dass eine Lösung des Problems bevorstehe.

 Der Moskauer Patriarch sprach bei seinem Besuch in Ankara sowohl mit dem Präsidenten des Religionsamtes ("Diyanet"), Ali Bardakoglu, als auch mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Bei Erdogan liegt die letzte Entscheidung über die Wiedereröffnung von Chalki.

 8.7.09

Quelle: http://www.kathweb.at/content/site/nachrichten/database/26972.html?SWS=02cab3ead40c530a1b6dd1650b3ea32f