Tritt Bischof Kamphaus von Limburg zurück ?
Der Streit um die gesetzliche Schwangerschaftsberatung mit dem Vatikan verschärft sich erneut.
In der Frankfurter Allgemeinen, der Frankfurter Rundschau und der Frankfurter Neuen Presse wurde in der vergangenen Woche über einen sich erneut verschärfenden Konflikt zwischen Bischof Kamphaus und Rom berichtet. Anlaß ist die Mitwirkung des Bistums Limburg bei der gesetzlichen Schwangerschaftsberatung. So berichtet Hartmut Meesmann in der Frankfurter Rundschau vom 28.6.01: "Das katholische Bistum Limburg wird Ende des Jahres wohl auf Druck des Vatikans aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung aussteigen müssen. Dies könnte zum Rücktritt des 69-jährigen Bischofs Franz Kamphaus führen. Im Bistum Limburg ist von einem "Machtkampf hinter den Kulissen" die Rede.
Dem Vernehmen nach hat der Leiter der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, in einem Brief an Kamphaus die Anfang des Jahres mit dem Limburger Oberhirten getroffene Vereinbarung als bloße Fristverlängerung bis zum Ausstieg interpretiert. Im Januar hatten Kamphaus und die römische Kurie vereinbart, dass in den elf Beratungsstellen des Bistums vorerst weiter der Beratungsschein ausgestellt werden darf, der zu einer straf- freien Abtreibung berechtigt. Zugleich verpflichtete sich Kamphaus, die Schwangerenberatung so auszubauen, dass Rat suchende Frauen auf den Schein verzichten. Bis Ende 2001, so die Abmachung, sollten die Erfahrungen der Limburger Aktion Konfliktberatung" mit denen der anderen Bistümer verglichen werden, die keine Scheine mehr ausstellen. Dann solle endgültig entschieden werden.
Insider verweisen aber darauf, dass Rom dem Limburger Bischof von vornherein keine Dauer-Ausnahme erlauben wollte. Denn schon unmittelbar nach Veröffentlichung der Einigung hatte ein Mitarbeiter der Nuntiatur die Auslegung nachgeschoben, dass Kamphaus lediglich später als seine gehorsamen Mitbrüder aus der gesetzlichen Beratung aussteigen müsse.
Kamphaus beruft sich bei seinem Widerspruch gegenüber dem Papst auf sein Gewissen. Auch er wolle ungeborenes Leben retten, sei aber der Meinung, dass die Kirche mit ihrer Beratung dort präsent sein müsse, "wo das Leben von Menschen am meisten gefährdet ist, bei den Frauen, die schwanken, ob sie ihr Kind austragen sollen oder nicht'. Bei der jüngsten Sitzung des "Ständigen Rates' der Bischofskonferenz verdeutlichte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Giovanni Lajolo, jedoch erneut Roms Haltung, dass die Ausstellung des Beratungsscheins eine indirekte Mitwirkung an Abbrüchen darstellen.
Wie aus dem Bistum zu hören ist, soll Ende Oktober ein entscheidendes Gespräch zwischen allen Beteiligten stattfinden. Die Chancen, dass der Bischof im "Machtkampf' mit Papst und Kurie seine Position durchsetzen kann, werden als sehr gering eingeschätzt. Nicht zuletzt auch, weil der "Rebell aus Limburg" von den übrigen deutschen Bischöfen nicht unterstützt wird - vor allem nicht vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Vielmehr wird damit gerechnet, dass Kamphaus von seinem Amt zurücktritt, wenn er unwiderruflich zum Ausstieg gezwungen wird."
Kirchliche Kreise schließen nicht aus, daß Bischof Kamphaus noch vor einem möglichen Rücktritt von der Leitung des Bistums ein Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge zur Seite gestellt werde. Damit wäre das Bischofswahlverfahren nach dem preußischen Konkordat außer Kraft gesetzt. In diesem Zusammenhang wird Weihbischof Schick von Fulda als einer der möglichen Kandidaten für die Aufgabe des Koadjutors gehandelt.
In diesem Zusammenhang sei auf die Affäre Baffile im Bistum Limburg hingewiesen. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ergriff der damalige Nuntius Baffile die Initiative, um dem damaligen Bischof Kempf von Limburg eine Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge zur Seite zu stellen. Hintergrund war der Einsatz Kempfs für die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt. Nachdem der Schriftverkehr Baffiles mit Rom publik wurde, ging eine Welle der Empörung durch das Bistum Limburg und durch Deutschland. Bischof Kempf konnte bleiben. Nuntius Baffile wurde nach ca. einem Jahr nach Rom abberufen.
30.6.01
Bearbeitung: H-A Link