Gegen Flexibilität als Letztwert: Lebendiger Wandel erfordert Treue

Pfingstpredigt von Bischof Franz Kamphaus im Limburger Georgsdom

LIMBURG (ids).- Der Limburger Bischof Franz Kamphaus hat sich in seiner Pfingstpredigt am Sonntag, 19. Mai 2002, kritisch mit der von Wirtschaft und Politik immer wieder geforderten Flexibilität auseinandergesetzt. Wo von Menschen verlangt werde, dass sie sich biegsam und angepasst dem stetigen Wandel stellten, wachse ein neuer Siegertyp, der sich dadurch auszeichne, dass er im Hin und Her rasch seine Bindungen an Umstände und Leute ändere. In der Konsequenz führe das dazu, dass alles austauschbar und ersetzbar werde, am Ende auch der Mensch. Was für Beziehungen gelte, betreffe auch Überzeugungen und Werte. So seien in der Politik Friedensbewegte der achtziger Jahre heute damit einverstanden, dass auch nach sieben Monaten in Afghanistan immer noch gebombt werde. Kamphaus wörtlich: "Wir verlernen jene Entschiedenheit, mit der man in zentralen Lebensfragen nur so denkt und nicht anders." Luther habe gesagt "Hier stehe ich und kann nicht anders". Heute heiße das immer öfter: "Hier stehe ich und ich kann auch ganz anders." Der Limburger Bischof erinnerte, dass zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes auch der Starkmut, die Standhaftigkeit gehöre. "Darum zu bitten ist durchaus an der Zeit – nicht nur zu Pfingsten."

Nachdrücklich wandte sich der Limburger Bischof gegen den Vorwurf, die Kritik an der Flexibilität sei von einer Institution wie der Kirche, die selbst starr und langweilig erscheine, zu erwarten. Gerade aber Pfingsten zeige, dass Christen viel von Wandlungsfähigkeit hielten und wüssten, dass jemand der immer auf der Stelle stehe, nicht unbedingt standfest sei, sondern manchmal einfach lahm und starr. Fatal werde es allerdings, wenn die Flexibilität zum Letztwert werde.

"Wir Christen sind nicht mit allen Wassern gewaschen, sondern mit einem ganz bestimmten Wasser in der Taufe", stellte Kamphaus fest. Die Krise, in der die Kirche stecke, beruhe keineswegs nur auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber dem modernen Leben und Lebensgefühl, sondern vielmehr auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber Jesus und seiner Botschaft. "Haben wir ihn in unserer Praxis nicht allzu sehr uns angepasst, statt dass wir uns ihm anpassen?", fragte Bischof Franz Kamphaus. Für das Leben in Kirche und Gesellschaft gelte, dass nichts soviel Treue und Standfestigkeit erfordere, wie der lebendige Wandel. (ID02202).

Weiterführendes:

Das Bistum Limburg im Internet

Die Predigt im Wortlaut

19.5.02

Quelle: www.katholische-kirche.de