KAB kritisiert Vorschläge der
"Herzog-Kommission"
Trier - Als „ein weiteres erschreckendes Beispiel für die Realitätsferne und
Wertlosigkeit in der politischen Debatte um die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates
und zur Sicherung der Sozialsysteme“, hat der Diözesanvorstand der Katholischen
Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Trier die vom Bundesvorstand der CDU
übernommenen Vorschläge der „Herzog-Kommission“ bezeichnet. In einer am 8.
Oktober in Trier veröffentlichten Stellungnahme kritisiert die KAB, dass
offenbar aus dem Blick geraten sei, dass an erster Stelle der so genannten
Reformdebatte die Fragen nach der Verwirklichung der sozialen Grundrechte und
der Würde eines jeden Menschen stehen müssten und nicht die Frage nach den
finanziellen Möglichkeiten.
Für die KAB gehört zum Fundament des demokratischen und sozialen Rechtsstaates
eine politisch festgelegte und staatlich garantierte soziale Sicherung. Nur so
sei wirtschaftlicher Erfolg, soziale Sicherheit, sozialer Ausgleich, sozialer
Frieden und politische Stabilität erreicht worden. Die KAB erinnert die
politisch Verantwortlichen daran, „dass eine wirkliche Reform der sozialen
Sicherungssysteme der Herstellung sozialer Gerechtigkeit dienen muss.“ Die
Grundforderungen der katholischen Soziallehre nach sozialer Gerechtigkeit und
einer solidarischen Gesellschaft zeigten sich etwa in der sozialen Absicherung
aller Mitglieder der Gesellschaft. Eine Reformpolitik dürfe nicht polarisieren,
indem sie Reiche reicher und Arme ärmer mache. Soziale Teilhabe und Teilnahme
bedeute, dass es nicht „die da drinnen und die da draußen“ geben dürfe.
Die Politik werde endlich zur Kenntnis nehmen müssen, „dass aktive Bürgerinnen
und Bürger nicht Lückenbüßer für sozialstaatliches Versagen und schwindende
Finanzen sein wollen,“ erklärt die KAB. In Deutschland sei eine Fortentwicklung
des Sozialstaates notwendig und möglich. Die Vorstellungen eines „aktivierenden
Sozialstaates“ und Appelle an die Eigenverantwortung gingen „ins Leere“, wenn
nicht die notwendigen Voraussetzungen zur Erneuerung von sozialem Ausgleich und
Solidarität der einzelnen und der Gruppen „füreinander und untereinander“
geschaffen würden.
09.10.2003
Quelle: http://katholische-kirche.de/