Frankfurt, 30.4.2003 (KNA). Als "soziale Demontage" bezeichnet der katholische Sozialethiker Friedhelm Hengsbach die Sozialpläne der Bundesregierung. Sie seien eine "Kriegserklärung" an die Schwachen und Benachteiligten der Gesellschaft, kritisierte der Jesuit am Mittwoch in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Frankfurt. Soziale Gerechtigkeit werde nun nach den "Zerrbildern der politischen Klasse definiert, nicht aus dem Leidensdruck der Benachteiligten". Die so genannte Agenda des Kanzler schränke die gesellschaftliche Solidarität weiter ein, anstatt sie auszuweiten, so der Sozialethiker.
Hengsbach betonte, die Beteiligung an der Erwerbsarbeit sei der Haupt-, aber nicht der einzige Schlüssel persönlicher Identität und gesellschaftlicher Anerkennung. Eine Gesellschaft, die sich auf Erwerbsarbeit konzentriere, verliere an Lebensqualität. Die Zukunft der Arbeit sieht Hengsbach in der "Arbeit am Menschen", also personennahe Dienstleistungen wie Heilen, Helfen, Pflegen, Beraten, aber auch Kulturarbeit.
Der 65-Jährige leitet das nach dem Nestor der katholischen Soziallehre benannte Oswald-von-Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20030430t175517468.htm