Jesuit Friedhelm Hengsbach kritisiert Sozialenzyklika
Ludwigshafen. Der Sozialethiker Prof. Friedhelm Hengsbach sieht in der Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. entscheidende Defizite. "Gerade die Probleme der Finanzmärkte sind ziemlich schwach und blass dargestellt. Es gibt keine konkreten Anweisungen oder konkrete Orientierungen, wie sie gelöst werden sollen", sagte der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
"Wenn man es etwas kritisch beurteilt, ist es ein Selbstgespräch des gegenwärtigen Papstes mit seinen zwei Vorgängern." Die Argumentationsweise des Papstes sei zum Teil sehr diffus, sagte Hengsbach. "Sie ist eigentlich nur verständlich für Leute, die auf dem Boden des Christentums stehen." Ein echter Dialog mit all den Menschen, die sich um eine wirklich menschliche Entwicklung der Welt bemühten, gelinge mit der Enzyklika nicht, kritisierte er.
11.7.09
Frankfurter Rundschau
Weitere Stellungnahmen zur Enzyklika
Prof. Dr.Dr. Johannes Wallacher & Prof. Dr. Johannes Müller SJ
Kommentar zur Enzyklika "Caritas in Veritate", 7.7.2009 (PDF)
Bernhard Emunds (Nell-Breuning-Institut): Kein großer Wurf
Kommentar zur Enzyklika Caritas in Veritate, 7.7.2009 (PDF)
Matthias Drobinski: Der weltfremde Papst
Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu
Pressemitteilung
Das Ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) zur Enzyklika "Caritas in Veritate":
Kein mutiges Wort angesichts der Krisen
Frankfurt/Main, den 9. Juli 2009
Lange mit Spannung erwartet, ist sie nun veröffentlicht: die päpstliche Sozialenzyklika "Caritas in Veritate". Doch der Text ist inhaltlich verworren und im Ergebnis dünn und schwammig.
"Caritas in Veritate" kommt als theologisches Fachgespräch, als theologischer Monolog daher: Geschrieben in einer komplizierten Sprache, ist sie für Laien wenig verständlich. Das ist bedauerlich angesichts weltweiter Wirtschaftskrisen, die klare und verständliche Leitlinien auf christlicher Grundlage herausfordern: Zu Recht wurde erwartet, daß der Papst Lösungs- und Handlungsvorschläge ebenso wie Verantwortliche benennt - die christliche Soziallehre bietet da einen reichen Fundus. Diese Hoffnung wurde enttäuscht.
Auch wenn "Caritas in Veritate" durchaus wichtige Stellungnahmen zur Themen der Globalisierung enthält - u.a. Rechte von MigrantInnen, Sextourismus, Mißwirtschaft, Religionsfreiheit, Umweltzerstörung - entsteht der Eindruck eines hilflosen Sammelsuriums.
Ein eklatantes Defizit ist das völlige Ignorieren der Tatsache, daß nur ein Handeln in ökumenischer Geschwisterlichkeit aller Menschen und vor allem der christlichen Kirchen gegen die Krisen und die sie verursachenden Instanzen zukunftstauglich ist. Zu Recht bemängelt daher der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach SJ, daß ein echter Dialog mit all den Menschen, die sich um eine wirklich menschliche Entwicklung der Welt bemühen, mit dieser Enzyklika nicht gelingen wird.
Stattdessen greift der Text auf die Idee einer Superinstitution zurück und ignoriert damit auf bemerkenswerte Weise den aktuellen Stand der Diskussion:
Statt bewährte demokratische Instrumente wie Partizipation, Transparenz, Abbau von Hierarchien etc. zu stärken, sieht der Papst die Lösung im Rückgriff auf ein autoritäres Steuerungsmodell, das schon im eigenen System längst nicht mehr funktioniert, weil es Teil des Problems ist. Darin zeigt sich die Entfernung des Papstes von der Realität in den Gemeinden im globalen Kontext der eigenen Weltkirche.
Die lange erwartete Enzyklika ist kein großer Wurf: Sie ist weder ein prophetischer Aufschrei angesichts der Krise noch ein konstruktives Angebot - sie ist der moraltheologische Monolog eines kulturpessimistischen Papstes, der seine Kirche angesichts von Leid und Krisen weltfremd und konsequent ins Abseits manövriert.
Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38
Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der
Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der
Befreiungstheologie.
Kontakt:
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